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Stromausfall bei Strato-Dienstleister KPN Qwest macht Kunden mürbe

23.05.2000
Pannenserie reißt nicht ab

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Ein Stromausfall ausgerechnet der Notstromversorgung hat die Server des Internet-Dienstleisters KPN Qwest (vormals Xlink) schon zum wiederholten Mal lahm gelegt. Für mindestens eine Stunde waren die Homepages unter anderem der Postbank und des Internet-Portals Web.de nicht verfügbar.

Die Probleme des seit dem 1. Mai 2000 unter dem Namen KPN Qwest Germany (vormals Xlink Internet Service GmbH) firmierenden Internet-Service-Providers (ISP) traten am 22. Mai gegen 11.45 Uhr auf und dauerten insgesamt rund zwei Stunden und 15 Minuten. Wie Thilo Huys, Sprecher der Marketing- und Kommunikationsabteilung von KPN Qwest, gegenüber der COMPUTERWOCHE sagte, habe es zunächst einen Stromausfall bei den Stadtwerken Karlsruhe gegeben. Dabei auftretende Spannungsspitzen seien verantwortlich gewesen für Probleme der hausinternen Notstromversorgung: "Die hat nicht wie vorgesehen funktioniert."

Ergebnis: Die Server von KPN Qwest fielen aus, und Hunderttausende von Surfern hatten keinen Zugriff mehr etwa auf das Web.de-Portal; Tausende von Postbank-Internet-Kunden waren von der Homepage der deutschen Postler abgeschnitten und konnten ihre Bankangelegenheiten nicht mehr erledigen. Betroffen von dem Ausfall waren neben allen in Karlsruhe gehosteten Servern auch in Karlsruhe stehende DNS-Server, verschiedene Router sowie der POP Karlsruhe.

"Der Imageschaden durch solch ein Problem ist immens," konstatiert Jürgen Ebert, verantwortlich für den Web-Auftritt der Postbank. Ist sein Unternehmen im Internet wegen technischer Probleme nicht zu kontaktieren, fällt dies auf die Postbank zurück und nicht auf den ISP. "Wir sind deshalb mit denen auch in Gesprächen darüber, wie es weitergeht und wie KPN Qwest in Zukunft sicherstellt, dass solche Pannen nicht erneut auftreten." Das sollte spätestens im August der Fall sein. Dann will die Postbank einen Broker-Service anbieten. Ein Ausfall der KPN Qwest-Rechner hätte spätestens dann noch gravierendere finanzielle und haftungsrechtliche Folgen.

Die aufgetretene Malaise ist insofern unverständlich, als sie ausgerechnet die Notstromversorgung der KPN Qwest-Rechnerlandschaft trifft, die nun schon zum wiederholten Mal nicht funktionierte. Auch am 16. Mai 2000 blieben die Homepages der Postbank, von Web.de sowie alle Domains des Web-Hosters Strato schwarz beziehungsweise nicht erreichbar. Völlig unvorbereitet traf KPN-Qwest-Marketier Huys die Information, dass am 23. Mai zwischen 10 und 11 Uhr schon wieder nichts mehr ging. Nach Befragung seiner Techniker bestritt er allerdings, dass es wieder zu Ausfällen gekommen sei.

Bereits am 22. Dezember 1999 legte ein kompletter Stromausfall bei KPN Qwest für sechs Stunden alle Kunden des Internet-Carriers lahm. Sämtliche 400 000 Internet-Präsenzen allein von Strato-Kunden waren in dieser Zeit nicht erreichbar. Während der Haupttageszeit und mitten im lukrativen Weihnachtsgeschäft hatten Online-Händler, die ihre Geschäfte über Strato abwickelten, das Nachsehen.

Richard Berg, Sprecher bei Web.de, wollte ad hoc "keine politische Aussage" zu den Problemen machen. "Für uns sind diese Schwierigkeiten unseres Internet-Carriers aber natürlich schlecht." Fragen, ob wegen der wiederholten Pannen ein Wechsel des Dienstleisters in Frage komme, beantwortete Berg ausweichend. Man habe allerdings seine Fühler ausgestreckt.

KPN-Qwest-Mann Huys sagte, wegen der technologischen Probleme gebe es ein Gespräch mit dem Lieferanten der Notstromversorgungsaggregate ABB. Hier wiederholt sich eine Geschichte, die insbesondere Strato-Kunden sehr ergrimmt: Hatte Strato seine Hände bei Problemen immer in Unschuld gewaschen und auf Xlink beziehungsweise KPN Qwest gedeutet, so schieben sich jetzt offensichtlich KPN Qwest und ABB die Schuld für das Versagen der Rechnerinfrastruktur zu. Der Leidtragende ist in jedem Fall der Anwender.