Web

Disconnect

Startup lässt Web-Nutzer tracken, wer sie trackt

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Ein Startup aus Palo Alto hilft dabei, herauszufinden, wer einen im Web so alles verfolgt.

Die Company heißt treffend Disconnect und hat gerade ihr neuestes Tool "Disconnect 2" zum Schutz des eigenen Browser-Verlaufs veröffentlicht. Es funktioniert mit Firefox und Chrome und will ein unsichtbares Netzwerk von rund 2000 Tracking-Firmen im Web blockieren.

Zumeist erfolgt das Tracking zum Zwecke vermeintlich zielgerichteter Werbung. Und das kennen wir alle - am Wochenende mal nach Wanderschuhen gegoogelt, ein paar Suchergebnisse abgesurft, dann die Schuhe im Laden gekauft - und anschließend sieht man noch wochenlang auf jeder zweiten Webseite Wanderschuh-Banner von Zalando und Konsorten.

So etwas nennt sich im Fachjargon Retargeting und wird auf breiter Internet-Front betrieben - prominenter Neueinsteiger ist gerade Facebook mit seinen "Partner Categories" in den USA.

Der Disconnect-Filter, den der frühere Google-Entwickler Brian Kennish vor rund zwei Jahren zu bauen begann, will genau damit Schluss machen. "Wir stoppen diesen Datenfluss wenn sie durchs Web hüpfen", zitiert die "New York Times" den Disconnect-Mitgründer. "Third-Party-Retargeter haben dann keine Informationen über Sie."

Disconnect ist nur eines von mehreren Tools, die auf technikaffine Verbraucher abzielen, die ihre persönlichen Daten online besser schützen wollen. Die meisten Anbieter in diesem Bereich - Abine und Ghostery verfolgen ähnliche Ansätze - bieten zumindest eine Grundversion ihrer Produkte kostenlos an und verlangen für ausgefeiltere Varianten Geld ("Freemium"). Bei Disconnect kann der Nutzer selbst bestimmen, was ihm die Software wert ist (und einen Teil davon auch gleich für einen anderen guten Zweck abzweigen).

Tracker-Filter funktionieren grundsätzlich anders als Versuche wie "Do Not Track" (DNT), bei denen Nutzer Webseiten signalisieren können, dass ihr Browser-Verlauf bitte nicht für gezielte Werbung benutzt werden möge. Die Werbebranche wehrt sich nach Kräften gegen eine Standardisierung. Weswegen sich derzeit auch niemand daran halten muss, dass ein Nutzer DNT in seinem Browser einschaltet.

Disconnect und Co stoppen Third-Party-Tracker vollständig und zeigen dem Nutzer außerdem detailliert an, wie viele Tracking-Firmen im Hintergrund einer besuchten Webseite aktiv sind. First-Party-Tracker lassen sie aber in Ruhe, sagt Kennish - Amazon kann also weiterhin Ihre Buchbestellungen verfolgen und ihnen auf Basis der Einkaufshistorie andere Bücher empfehlen. An Dritte gehen diese Daten aber nicht mehr. Werbung sehen Sie natürlich auch weiterhin, nur eben nicht mehr auf Basis Ihres Verhaltens im Web.