StarLeaf: Kostengünstige Videokonferenz aus der Cloud

StarLeaf verspricht volle Interoperabilität zu Skype for Business

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Gleich zwei Schwachpunkte heutiger Videoconferencing-Lösungen will die britische StarLeaf mit ihrem Cloud-Ansatz lösen: So sollen kostspielige Investitionen in Konferenz-Hardware entfallen. Zudem verbinde die StarLeaf Open Cloud auch Skype for Business problemlos mit anderen Systemen. Wir konnten das System in einer Demo live erleben.
Videokonferenzen ohne massives Investment in Hardware - das verspricht StarLeaf (im Bild die Group-Telepresence Lösung).
Videokonferenzen ohne massives Investment in Hardware - das verspricht StarLeaf (im Bild die Group-Telepresence Lösung).
Foto: StarLeaf

Videokonferenzen zu überschaubaren Kosten - damit will das englische Unternehmen StarLeaf punkten. Eine Videokonferenz-Lösung aus der Cloud soll die Kosten kontrollierbar halten und kein Investment in teures Equipment erfordern. So scheiterte eine weitere Verbreitung von Videoconferencing bislang aus mehreren Gründen.

Sollen etwa Videokonferenzen zwischen mehreren Standorten abgehalten werden, ist eine Investition in teure Hardware wie MCUs etc. erforderlich. Darüber hinaus sind viele Systeme als Insellösungen konzipiert - wer eine Konferenz mit Anwendern aufbauen will, die Equipment eines anderen Herstellers benutzen, der benötigt ebenfalls häufig teure Zusatz-Hardware in Form von Gateways etc. Schwierigkeiten, die nicht selten dazu führen, dass das Equipment ungenützt herumsteht. Zudem kommt hinzu, dass die Endpunkte, also die eigentlichen Konferenzsysteme mit Kamera etc. für den Arbeitsplatz oder den kleinen Meeting-Raum häufig auch nicht unbedingt ein Schnäppchen sind. Seit 2016 kristallisiert sich noch ein weiterer Problempunkt heraus: Immer mehr Unternehmen experimentieren im Alltag mit Skype for Business als Meeting- und Videoconferencing-Lösung. Allerdings ist das Zusammenspiel mit vorhandenen Systemen nicht immer problemlos, um es vorsichtig zu formulieren. So wird selbst die Frage "Wie man Skype for Business in einen Konferenzraum bringt" häufig zur Herausforderung. Angesichts obiger Schwierigkeiten sind viele Entscheider nicht länger bereit, in Videoconferencing-Systeme zu investieren.

Cloud statt Video-Hardware kaufen

Einfach zu bedienen. Die Benutzeroberfläche der StarLeaf-Lösung ist einfach zu bedienen.
Einfach zu bedienen. Die Benutzeroberfläche der StarLeaf-Lösung ist einfach zu bedienen.
Foto: StarLeaf

Genau dies will StarLeaf nun mit seiner Open-Cloud-Lösung adressieren: Kein hohes Investment in teure Hardware und verlässlich kalkulierbare Kosten, dank fester Gebühren für die Cloud-Nutzung, so verspricht es StarLeaf. So kostet etwa die einjährige StarLeaf-Cloud-Lizenz 852 Euro, während eine lebenslange Lizenz mit 3.420 Euro zu Buche schlägt. Dies beinhaltet unter anderem Firewall traversal, unbegrenzte Einzelgespräche sowie H.323/SIP-Gespräche zu anderen Herstellern und Fremdsystemen sowie unbegrenzte Gästeeinladungen. Gleichzeitig erhalten die Kunden den kostenlosen Software-Client Breeze. Die Erweiterung der Konferenz-Features, hier unterscheidet StarLeaf zwischen spontanen (QuickMeet) und geplanten (Scheduled & Meet-me conferencing) Konferenzen kostet für ein Jahr zwischen 1.130 Euro für QuickMeet und 5.380 Euro für die Premium-Variante.

Sollen H.323/SIP-Endpunkte, etwa von Cisco, Polycom, Lifesize oder Tandberg sowie anderen Herstellern in der Cloud registriert werden, berechnet StarLeaf für die Jahreslizenz 1.128 Euro. Neben unbegrenzten Einzelgesprächen zu StarLeaf- sowie H.323/SIP-Endpunkten anderer Hersteller versprechen die Briten volle Kompatibilität zu Microsoft Skype for Business inklusive Content Sharing in beide Richtungen.

Skype for Business

Für Unternehmen mit Skype-for-Business-Installation hat der Hersteller ferner die "GTm Familie" (Group Telepresence for Microsoft for Business) mit den Modellen "GTm 5140" und "GTm 5250 range" im Programm. Mit ihnen will StarLeaf Skype auch in Konferenzräume bringen. Die Systeme nutzen nativ die Skype-for-Business-Protokolle und registrieren sich an Office 365 - egal ob On-premise oder aus der Cloud.

StarLeaf Cloud in der Praxis

Egal ob Tablet, PC oder externes Control Panel (wie hier im Bild) - die Bedienung ist immer gleich.
Egal ob Tablet, PC oder externes Control Panel (wie hier im Bild) - die Bedienung ist immer gleich.
Foto: StarLeaf

Auf den ersten Blick mögen die Lizenzkosten hoch erscheinen, doch dabei sollte nicht vergessen werden, dass der Anwender keine Investitionskosten für Firewall Traversal, MCU, Gateways, Recording etc. hat. Gleichzeitig läuft er nicht Gefahr nach einigen Jahren auf einer Investment-Ruine zu sitzen, weil seine Geräte end of life sind oder es keine passenden Erweiterungen mehr gibt. Positiv fiel in einer Demo zudem die Flexibilität in Sachen Video-Endpoints auf - Smartphone oder Tablet mit iOS oder Android genügen bereits für den Einstieg. Mehr Qualität bieten dann schon PC oder Mac in Verbindung mit entsprechenden Kameras - auch hier ist also kein teures Investment erforderlich. Wer dennoch alles aus einer Hand will, bekommt auch bei StarLeaf die entsprechende Hardware. Des Weiteren gefiel uns, dass während Videoschaltungen ein kleines "Kontrollbild" des eigenen Bildes angezeigt wird, so dass jeder selbst kontrolieren kann, ob die eigenen Videoeinstellungen optimal sind und etwa der Kopf wirklich voll im Bild ist.

Dank des Cloud-Ansatzes muss sich der Anwender zudem keine Gedanken um die adäquaten Videoverbindungen zwischen den einzelnen Standorten machen. Die derzeitige Netzplanung von StarLeaf listet global 12 Rechenzentren auf, wovon alleine drei in Europa stehen (Frankfurt, Paris und London). "In diesen Rechenzentren hosten wir unsere Services selbst, da wir unsere eigenen Rechner betreiben und lediglich Collocation-Raum anmieten", wirbt Walter Schmidt, Country Manager Germany, für die Sicherheit des Services. Zudem unterliege das europäische Unternehmen nicht dem US-amerikanischen Patriot Act.

Bildqualität

Zur Übertragung der Bilddaten benötigt ein Teilnehmer úm die 1,4 Mbit/s in beide Richtungen. Bei Bandbreitenschwankungen passt das System die Bildqualität automatisch an. Allerdings werden Videos nur mit einer Auflösung von 720p unterstützt, während Collaboration-Daten mit 1080p übertragen werden. Ebenso gibt das Preismodell von StarLeaf etwas zu denken, da es konträr zum Cloud-Gedanken steht und von der Idee eines on-demand zubuchbaren Service nichts zu sehen ist.

Lässt man diese Kritikpunkte beiseite, kann das System in der Praxis durchaus punkten. So gibt es an der Videoqualität nichts zu kritisieren. Und die Bedienung ist so einfach wie telefonieren. Besonders schön ist StarLeaf das Bedienungsfeld gelungen. So hat es der Hersteller geschafft, dass die Benutzeroberfläche des Systems wirklich überall gleich aussieht, egal ob auf dem Tablet, einem Desktop-System oder einem Raumsystem mit eigenem Bedienungs-Panel. Über den Client ist in der Praxis schnell eine Videokonferenz gestartet, während mit Hilfe des Outlook-Plugins bequem größere virtuelle Meetings per Mausklick geplant werden.