Analyse

Sony stellt die vielleicht letzte Playstation ihrer Art vor

21.02.2013
Die Ahnengalerie von Sonys kommender Spielekonsole "Playstation 4" (PS4) reicht weit zurück.
Wie die PS4 aussieht, hat Sony leider noch nicht verraten.
Wie die PS4 aussieht, hat Sony leider noch nicht verraten.
Foto: Sony

In den 1980er Jahren eroberten Amiga, Atari oder C64 die Kinder- und Wohnzimmer. Die Geräte gehörten zu den ersten für jedermann erschwinglichen Spielecomputern. Anfang der 1990er brach dann die Gameboy-Welle los. In fast jedem Schülerranzen steckte die kleine Daddelkiste. Eine ganze Generation wuchs mit Helden wie "Super Mario" oder "Donkey Kong" auf.

Mit der zu Weihnachten in den Handel kommenden Playstation 4, der bereits erschienenen Nintendo Wii U und dem erwarteten Nachfolger von Microsofts Xbox 360 könnte der Stammbaum der klassischen Spielekonsolen jedoch enden. Denn vor allem Gelegenheitsspieler greifen immer häufiger zu Smartphones und Tablet-Computern oder sie spielen zusammen mit Freunden und Bekannten bei Facebook .

Die Beratungsgesellschaft PwC geht davon aus, dass die Hersteller in diesem Jahr weltweit zum ersten Mal mehr Umsatz mit Online-Spielen als mit klassischen PC- und Konsolentiteln machen werden. "Der Wandel hin zu Online-Titeln wird den Markt der Konsolenspiele in nächster Zeit belasten", stellen die Experten fest.

Die guten Internetverbindungen haben den Weg für die Revolution an der Spielefront geebnet. Die Marktforscher der NPD Group haben bei einer Befragung herausgefunden, dass ein Drittel der Spieler selbst bei gleichem Preis mittlerweile dazu neigt, Titel aus dem Internet herunterzuladen statt sie auf einem Datenträger zu kaufen. Tendenz steigend. Die Spielekonsole würde damit ihre Daseinsberechtigung als "Abspielgerät" verlieren.

Die Konsole - wie lange braucht man sie noch als "Abspielgerät"?
Die Konsole - wie lange braucht man sie noch als "Abspielgerät"?
Foto: IDG News Service

Auch aus einer anderen Ecke droht den Spielekonsolen Ungemach, nämlich vom Cloud Gaming (auch Streaming genannt). Dabei laufen die Spiele komplett auf leistungsstarken Rechnern im Internet ab und der Nutzer braucht nur noch ein Endgerät, dass ausreichend schnell mit dem Internet verbunden ist. Das hätte für ihn den Vorteil, dass er sich nicht jedes Mal neue Hardware anschaffen muss, wenn die Spiele komplexer und damit rechenintensiver werden.

Statt einer Spielekonsole könnten damit in Zukunft die Empfangsbox des Kabelnetzbetreibers oder internetfähige Fernseher für ein spannendes Spieleerlebnis vollkommen ausreichen. Warum also kein Alles-in-einem -Unterhaltungsgerät fürs Wohnzimmer bauen? Viele Kunden wären sicherlich überglücklich, wenn das halbe Dutzend Fernbedienungen verschwinden würde.

"Das ist ein falscher Eindruck", sagt Sonys zuständiger Deutschland-Manager Uwe Bassendowski zum Spieleboom auf Smartphones und Tablet-Computern. "Die Spielergemeinde wird größer. Das ist eine Riesenchance für uns." Sony, Microsoft und Nintendo bewerben schon heute ihre Konsolen auch als Unterhaltungszentrale fürs Wohnzimmer, mit denen sich etwa Filme anschauen lassen. Die kommende Playstation 4 soll die verschiedenen Geräte noch besser miteinander vernetzen.

Videospiele insgesamt sind ein Wachstumsgeschäft. PwC prognostiziert ein jährliches Plus von 7,2 Prozent. Im Jahr 2016 wäre der weltweite Markt damit 83 Milliarden Dollar schwer (umgerechnet 62 Milliarden Euro). Den deutschen Markt sieht PwC sogar noch etwas kräftiger zulegen und zwar um 7,7 Prozent jährlich auf 2,9 Milliarden Euro.

Auch die klassischen Konsolenspiele hätten daran weiterhin einen merklichen Anteil - aber nicht mehr in dem Maße wie früher. So ist fraglich, ob in einigen Jahren wirklich noch eine Playstation 5 erscheinen wird. Dem Spieler sei das am Ende doch eigentlich egal, ist NPD-Experte Liam Callahan überzeugt. Es gehe letztlich doch um die Inhalte und nicht um die Geräte. "Content is king." (dpa/tc)

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