Web

Sonderfaktoren belasten Siemens-Gewinn

28.04.2004

Der Elektronikkonzern Siemens AG erzielte in seinem zweiten Geschäftsquartal 2003/04 (Ende: 31. März) passable Zahlen, konnte aber nicht an die Ergebnisse des vorangegangenen Dreimonatszeitraums anknüpfen. Wie das Unternehmen bekannt gab, kletterte der Nettogewinn gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 568 Millionen auf 1,2 Milliarden Euro. Das Ergebnis wurde dabei von einigen Sondereffekten beeinflusst, wie dem Verkauf von 150 Millionen Infineon-Aktien, der damit verbundenen Auflösung von latenten Steuerrückstellungen sowie Goodwill-Abschreibungen auf die Automatisierungssparte Siemens-Dematic (SD). Der um diese Effekte bereinigte Pro-forma-Profit fiel mit 807 Millionen Euro rund 42 Prozent höher aus als im Vergleichsquartal 2002/03. Siemens überraschte damit die Analysten, die im Schnitt nur einen bereinigten Gewinn von 605 Millionen Euro erwartet hatten. Der operative Gewinn erreichte dagegen mit 1,1 Milliarden Euro

nur das Vorjahresniveau und lag damit unter dem Analystenkonsens von 1,2 Milliarden Euro. Bei den Einnahmen verbuchte der Konzern sogar einen Rückgang um zwei Prozent auf 17,8 Milliarden Euro.

Siemens-Chef Heinrich von Pierer erklärte sich dennoch mit den Ergebnissen zufrieden. Der Konzern sei in den Bereichen gut vorangekommen und habe seine Pläne weitestgehend erfüllt. Damit befinde sich Siemens operativ auf einem guten Weg, die Zielsetzungen für 2004 zu erreichen. Schwierigkeiten bereite allerdings die Bahntechnik-Sparte Transportation Systems, so von Pierer. Der Bereich verbuchte im Berichtszeitraum unter anderem wegen der falsch konstruierten Combino-Straßenbahnen einen operativen Verlust von 289 Millionen Euro. Das Unternehmen geht davon aus, dass bei einem Großteil der bislang 400 ausgelieferten Combino-Straßenbahnen die Aluminiumkonstruktion Risse aufweist. Zudem drückten Belastungen in der Automatisierungssparte Dematic, die als zweite der 14 Konzernsparten einen Verlust auswies, auf das Konzernergebnis. Insgesamt konnte Siemens aber in elf von 14 Bereichen zulegen.

In den drei IT-spezifischen Sparten schnitt der Konzern vergleichsweise gut ab. So gelang der Netzwerksparte Information and Communication Networks (ICN) mit einem operativen Profit von 37 Millionen Euro die Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Der Umsatz ging gegenüber dem Vorjahresquartal um vier Prozent auf 1,6 Milliarden Euro zurück. Bereinigt um Währungs- und Portfolioeffekte blieben die Einnahmen aber in etwa stabil.

Die Mobilfunksparte Information and Communication Mobile (ICM) konnte ihren Betriebsgewinn mit 109 Millionen Euro nahezu verdoppeln. Die Münchner profitierten dabei von dem Umsatzwachstum um 14 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro sowie der verbesserten Ergebnismarge. Der Geschäftsbereich Mobiltelefone konnte seine Einnahmen um 26 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro steigern. Dabei war der mittlere Handy-Verkaufspreis gegenüber dem Vorjahreszeitraum rückläufig, die Anzahl der abgesetzten Geräte kletterte jedoch von acht Millionen auf 12,8 Millionen. Die Servicesparte Siemens Business Services (SBS) erhöhte ihren operativen Gewinn um vier Prozent von 25 Millionen auf 26 Millionen Euro. Der Anstieg liegt jedoch primär in der verbesserten Kostenstruktur begründet, während der Umsatz im Jahresbereich um 16 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro sank. Dank neuer Großaufträge in Europa stieg der Auftragseingang von SBS aber um drei Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. (mb)