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Skandal um R/3-Einführung in Schleswig-Holstein

28.01.2002
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der schleswig-holsteinische Finanzminister Claus Möller ist wegen der Vergabe eines IT-Großauftrags an SAP und Debis ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Seinem Ministerium wird vorgeworfen, bei der Auswahl eines Mittelbewirtschaftungs- und Kostenrechnungssystems den beiden Unternehmen trotz deutlich günstigerer Angebote der Konkurrenz den Zuschlag erteilt zu haben. So rangierte das Angebot des Duos unter fachlichen und finanziellen Aspekten in der Bewertung eines externen Sachverständigen nur auf Rang fünf von sechs in die engere Wahl gezogenen Anbietern. Außerdem soll das von SAP und Debis favorisierte Verfahren fast drei mal so teuer wie das der günstigsten Konkurrenz gewesen sein. Aus der Abwicklung des Projekts sind dem Bundesland nach Angaben des Rechnungshofs schon jetzt Nachteile in Höhe von zirka 510 000 Euro entstanden. Der eigentliche Schaden durch den Einsatz

eines Verfahrens, dessen Wirtschaftlichkeit nicht nachgewiesen ist, lasse sich nicht beziffern. So sei allein der Aufwand, den das Land für die Tests und Anpassung der auf ein kaufmännisches Rechnungswesen ausgerichteten Software leisten muss, kaum quantifizierbar. Insgesamt soll das Verfahren für Beschaffung, Betrieb und Pflege inklusive Personal im Laufe von 15 Jahren rund 419 Millionen Euro Kosten verursachen. Der Landesrechnungshof hatte bereits Mitte Januar vergangenen Jahres mit der Prüfung begonnen - damals war noch eine Projektleiterin im Amt, die bald darauf zu SAP wechselte.

Bereits an diesem Donnerstag wird der Finanzausschuss des Landtags Rechenschaft von Vertretern des Innenministeriums verlangen. Der Vorwurf lautet unter anderem, wesentliche Vorschriften des Vergabe- und Haushaltsrechts seien verletzt und ein im Vergleich teureres Angebot sei gewählt worden. Parallel will die Staatsanwaltschaft auch den Anfangsverdacht der Korruption verfolgen.