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Siemens-Skandal: Bestechung auch unter Kleinfeld?

21.12.2006
Wirtschaftsprüfer der KPMG beanstanden einem Bericht der "Süddeutsche Zeitung" zufolge Beraterverträge, die in die Amtszeit von Konzernchef Klaus Kleinfeld fallen. Es geht demnach um 77 Millionen Euro.

In der Amtszeit von Konzernchef Klaus Kleinfeld sind nach Informationen der Zeitung Millionen an Berater der Siemens-Sparte Telekommunikation (Com) gezahlt worden, die nach Feststellungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG den Verdacht nahelegen, dass die Gelder für Bestechung eingesetzt werden.

Aufgrund der Begleitumstände, so die Prüfer in einem Sonderbericht für Siemens, bestehe für den Konzern ein "großes Risiko", dass diese Vorgänge "als Bestechungspraktiken im Ausland" einzuordnen seien. KPMG testiert die Bilanzen des Technik-Konzerns.

KPMG-Mitarbeiter, die seit Sommer 2006 intensiv und gezielt nach verdächtigen Transfers suchten, seien bei ihrer Prüfung zu dem Ergebnis gekommen, dass im jüngst abgelaufenen Geschäftsjahr (30. September 2006) exakt 77.636.618,11 Euro an Firmen und Geschäftsleute geflossen sind, die außerhalb der für Beraterverträge bei Siemens festgelegten Regeln gezahlt worden seien, schreibt die "SZ". Der Prüfbericht ging demnach auch an die Staatsanwaltschaft.

Ein Konzernsprecher erklärte dazu, der Prüfbericht der KMPG datiere vom 9. November 2006 und sei am 16. November bei Siemens eingegangen - einen Tag nach der Großrazzia von Polizei und Staatsanwaltschaft. Siemens habe diesen Bericht dann den Ermittlern zur Verfügung gestellt.

Die Fahnder gingen inzwischen offenbar der Frage nach, ob Siemens-Manager als Ersatz für Schwarzgeldkonten in Liechtenstein und in der Schweiz, die seit Ende 2004 nach und nach aufgeflogen waren, anschließend ein neues System schwarzer Kassen geschaffen hätten, heißt es weiter.

Auch die inzwischen aufgefallenen Zahlungen aus dem Geschäftsjahr 2005/2006 basierten laut KPMG-Bericht auf fragwürdigen Beraterverträgen. Die Prüfer notierten, mal seien die Empfänger nicht eindeutig erkennbar, mal seien die Dienstleistungen nicht eindeutig festgelegt, oder die Dauer der Kontrakte sei unbestimmt. Außerdem stünden diese Verträge nicht mehr im Einklang mit den verschärften Vorschriften bei Siemens für solche Geschäfte.

Die Beraterhonorare in Höhe von 77,6 Millionen Euro gingen laut Prüfbericht an mehr als zehn Firmen und Geschäftsleute in Europa, Asien und Afrika. Größter Empfänger sei mit fast 30 Millionen Euro ein Unternehmen aus Zypern, so die "SZ. Darüber hinaus bestünden zum Ende des abgelaufenen Geschäftsjahres am 30. September 2006 noch Zahlungsverpflichtungen in Höhe von mehr als 22 Millionen Euro für solche Beraterverträge.

Ein Konzernsprecher sagte dem Blatt dazu, Siemens habe alle Zahlungen für diese Beraterverträge gestoppt. Die im vergangenen Geschäftsjahr noch überwiesenen 77 Millionen Euro und die noch vorliegenden Forderungen von mehr als 22 Millionen Euro seien in den 420 Millionen Euro enthalten, die Siemens vergangene Woche genannt hatte. (tc)