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Siemens-ICN: 2300 Entlassungen vorerst verhindert

23.10.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Dem Sparprogramm von ICN-Bereichsvorstand (Information Communication Networks) Thomas Ganswindt ist bislang nur wenig Erfolg beschieden. Nach wochenlangen Debatten hat sich Siemens mit den Arbeitnehmervertretern möglicherweise geeinigt: Statt 2300 Stellen am Münchner Standort Hofmannstraße sollen nach Angaben der IG-Metall lediglich 1100 abgebaut werden. Die Arbeitszeit aller Beschäftigten werde um zweieinhalb Stunden gekürzt; Aufträge nach außen sollen innerhalb von ICN vergeben werden. Ferner sei die Idee einer externen Beschäftigungsgesellschaft vom Tisch. Stattdessen führe Siemens eine "betriebsorganisatorisch eigenständige Einheit" ein. Darin könnten die nach wie vor vom Arbeitsplatzabbau betroffenen 1100 Arbeitnehmer für bis zu zwei Jahre versetzt werden, bleiben aber Siemens-Mitarbeiter. Beim Wechsel in die Beschäftigungsgesellschaft hätten die Betroffenen ihre Siemens-Zugehörigkeit verloren.

Analysten bewerteten den jetzigen Stand der Verhandlungen negativ und fordern weiteren Stellenabbau. In der Tat ist es nicht gut um die Netzwerksparte bestellt. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2001/2002 verzeichnete ICN einen Verlust von 366 Millionen Euro. Auftragseingang und Umsatz seien um rund 30 Prozent eingebrochen. Andererseits stellte Siemens im abgeschlossenen Geschäftsjahr nach eigenen Angaben deutschlandweit insgesamt etwa 9000 Mitarbeiter neu ein. Zu den von der IG-Metall verkündeten Vereinbarungen wollte sich ICN nicht äußern. Gleichwohl möchte man betriebsbedingte Kündigungen verhindern, erklärte ein Siemens-Sprecher. (km)