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Siemens hält sich zu SBS-Entlassungen bedeckt

02.02.2005
Laut IG Metall will Siemens bei SBS 1000 Stellen streichen. Der Konzern bezeichnete es dagegen als "völlig verfrüht, eine konkrete Zahl in den Raum zu stellen".

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Siemens-Konzern hat für seinen defizitären IT-Dienstleister-Bereich nach eigenen Angaben und damit entgegen anders lautenden Gewerkschaftsaussagen noch keine genauen Zahlen zu einem Stellenabbau. "Konkrete Zahlen gibt es noch nicht", sagte ein Siemens-Sprecher am Mittwoch in München auf Anfrage. "Es ist völlig verfrüht, eine konkrete Zahl in den Raum zu stellen. Ich weiß nicht, wie die IG Metall zu diesen Zahlen kommt." Die Gewerkschaft hatte am Vorabend mitgeteilt, dass bei SBS 1000 Stellen gestrichen werden sollen.

Siemens Business Services (SBS) ist der einzige der zwölf Konzern-Bereiche, der im Auftaktquartal 2004/05 (Ende Dezember) Verluste gemacht hat. Seit Monaten ist bekannt, dass der Bereich unter seinem neuen Chef Adrian von Hammerstein umstrukturiert werden soll. Details hatte Siemens bisher aber nicht genannt. Der Siemens-Sprecher sagte: "Erst muss Siemens mit den Arbeitnehmervertretern über einen möglichen Arbeitsplatzabbau sprechen." Noch sei nichts entschieden. "Wir stehen am Anfang dieses Gesprächsprozesses über konkret betroffene Stellen."

Die Gewerkschaft hatte am Dienstagabend gemeldet, das SBS-Management habe die Betriebsräte informiert, dass bis Ende des laufenden Geschäftsjahres 2004/05 (30. September) rund 1000 Arbeitsplätze wegfallen sollen. Betroffen seien alle Geschäftsfelder des IT-Dienstleisters SBS. Seit Verkündung der Abbaupläne bei der SBS-Tochter Sinitec sei bereits vermutet worden, es könne sich hierbei um eine Art Vorläufer zu größeren Stellenstreichungen bei SBS selbst handeln, teilte die Gewerkschaft mit. Die IG Metall kritisiert, dass bei SBS noch immer kein zukunftsweisendes Konzept zu erkennen sei. Die Gewerkschaft biete eine "konstruktive Zusammenarbeit bei der Lösung der bestehenden Probleme" an.

Analysten hatten erwartet, dass Siemens nach dem Wechsel an der Konzernspitze nun auch den Problembereich SBS angeht. Vergangenen Donnerstag war der bisherige Siemens-Chef Heinrich von Pierer an die Spitze des Aufsichtsrats gerückt. Sein Nachfolger an der Konzernspitze ist Klaus Kleinfeld. Am Freitag hatte Siemens angekündigt, 1350 Stellen im umsatzstärksten Bereich Communications (Com) zu streichen. Siemens Com war zu Beginn des laufenden Geschäftsjahres 2004/05, also Anfang Oktober, aus der Verschmelzung des Festnetz- und des Mobilfunk-Bereichs entstanden. Siemens hatte hier bereits im vergangenen Jahr einen Stellenabbau angekündigt. (dpa/tc)