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SGI erteilt Linux die höheren Weihen

07.01.2003
SGI kündigt heute neue "Altix"-Server mit Linux an, die bis zu 64 Itanium-2-Chips beherbergen. Mittels "Numaflex" sollen sich damit Cluster aus bis zu 2048 CPUs bauen lassen.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - SGI hat nach eigenen Angaben Hard- und Software entwickelt, die die Fähigkeiten des Open-Source-Betriebssystems Linux signifikant erweitert, sodass es auch für aufwändigste wissenschaftliche Aufgaben gewappnet ist. Die neuen "Altix"-Server - zuvor unter dem Codenamen "SN2" gehandelt - des im kalifornischen Mountain View ansässigen Herstellers sind mit bis zu 64 "Itanium-2"-Prozessoren von Intel bestückt, die auf einen gemeinsamen Speicher-Pool zugreifen - das sind vier Mal so viele Prozessoren wie in bisherigen Linux-basierenden Supercomputern. Noch dazu lassen sich mehrere 64-Wege-Maschinen zu einem Verbund clustern.

Bei der Farbgebung der "Altix"-Server hat sich SGI offensichtlich vom Linux-Pinguin "Tux" inspirieren lassen.
Bei der Farbgebung der "Altix"-Server hat sich SGI offensichtlich vom Linux-Pinguin "Tux" inspirieren lassen.

Zwei neue Maschinen stellt SGI heute vor: Der kleinere "Altix 3300" lässt sich als Single Node mit vier bis zwölf CPUs konfigurieren, der größere "Altix 3700" nimmt zwischen 16 und 64 Itanium-2-Prozessoren auf. Jeder Node enthält ein Single System Image - wahlweise Red Hat 7.2 oder eine von SGI getunte Variante mit "XFS"-Dateisystem und anderen Finessen - und bis zu 512 GB Hauptspeicher. Mittels "Numalink", das bereits in den "Origin-3000"-Servern zum Einsatz kommt, lassen sich einzelne Nodes verknüpfen. In deren gemeinsam genutzten Speicher könnten beispielsweise Biotech-Firmen ihre kompletten Genom-Datenbanken vorhalten und damit Analysen drastisch beschleunigen, so SGI. Vorerst unterstützt der Hersteller Cluster mit bis zu 512 Prozessoren; für das kommende Jahr stellte Produkt-Manager Andy Senselau bereits eine Verdoppelung der CPU-Anzahl in Aussicht.

Unter Verweis auf verschiedene SPEC-Testergebnisse verspricht SGI für die neue Altix-3000-Server eine ungeahnte Performance für 64-Bit-Anwendungen. Nathan Brookwood von Insight64 verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass ältere Anwendungen allerding im Regelfall neu zu kompilieren seien, wollten sie die Vorzüge des Itanium 2 auch tatsächlich nutzen. Der Experte hält die neue Produktlinie dennoch für einen cleveren Schachzug. "SGI kann seine proprietären Irix-Maschinen weiter verkaufen, hat aber trotzdem eine Alternative für Kunden, die ein Open-Standard-System verlangen", kommentiert Brookwood.

Mit den Altix-Servern liefert SGI eine Reihe von Softwarewerkzeugen für Ressourcen- und Daten-Management. Ein Toolkit für Linux-Entwickler soll im Laufe der kommenden Monate folgen. Der Altix 3300 ist in den USA mit vier Prozessoren und 32 GB Arbeitsspeicher ab zirka 70.000 Dollar erhältlich. Für einen Altix 3700 mit 64 Prozessoren müssen Kunden allerdings gut 1,1 Millionen Dollar hinblättern. Bestellungen nimmt der Hersteller ab sofort entgegen, die Auslieferung der Linux-Numbercruncher soll noch im ersten Quartal beginnen. Verschiedene Universitäten haben laut SGI bereits Altix-Server geordert, die University of Tokio beispielsweise zwei 3700er mit 64 beziehungsweise 32 Prozessoren und ein Modell 3300 mit zwölf Wegen. (tc)