Service-Orientierung

Serviceorientierte Architektur lebt - sagt der SOA Check 2009

Entgegen den Analystenschelten von Gartner und anderen, wonach Service-orientierte Architekturen (SOA) kaum noch eine Chance in Unternehmen haben, kommt der SOA Check 2009 zumindest für den deutschsprachigen Raum zu einem völlig anderen Ergebnis.

"SOA ist in deutschsprachigen Unternehmen quicklebendig", heißt es im SOA Check, den das Wolfgang Martin Team S.A.R.L., die TU Darmstadt und die Analysten von IT Research nunmehr im dritten Jahr aufgelegt haben. Dabei leiste SOA inzwischen deutlich mehr als die bislang propagierten Vorteile, automatisierte, revisionssichere und anpassungsfähige Prozesse über Geschäftsfunktionen und Abteilungen hinweg zu etablieren. Mit dem in ITIL V3 beschriebenen Management kompletter Service-Lebenszyklen erhalte das Business neue Möglichkeiten, Dienste kollaborativ zu verwalten, so dass man SOA mittlerweile auch als "Software for Change" bezeichnen könne.

Mehr noch: Eine SOA-Infrastruktur, in der ein Service unabhängig von anderen Services im Rahmen einer Prozesslogik genutzt werden kann, biete enormes Innovationspotenzial. Neue Prozesse jenseits heutiger Arbeitsweisen würden möglich. Die Kombination mit Web-2.0-Ansätzen erlaube es beispielsweise, die rigide Welt der Prozesse mit zwischenmenschlichen Kommunikationstechniken zu verbinden, so dass "SOA zu einem Modell für Kollaboration" avanciert, heißt es in der Studie.

Die SOA-Praxis in Zahlen

Doch das ist noch Zukunftsmusik. Erfreut stellen die Analysten fest, dass sich zumindest die Rolle des SOA-Paradigmas als Mittler zwischen Fach- und IT-Abteilung weiter gefestigt hat. Services als Kernbestandteile einer SOA werden inzwischen von Vertretern beider Domänen verstanden und bieten damit die Möglichkeit, Business und Technik stärker zu verzahnen. Allerdings bescheinigt auch der diesjährige SOA Check, für den 111 Personen aus Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt wurden, dass SOA-Projekte immer noch zu stark von der IT getrieben sind: In 54 Prozent der Fälle komme der Projektleiter aus der IT, 24 Prozent der Vorhaben seien reine IT-Projekte, was aus Sicht der Experten ein potentielles Risiko für den Fortbestand einer SOA-Initiative darstellt. Hier gebe es großen Verbesserungsbedarf, wenngleich man über die vergangenen drei Jahre einen positiven Trend in Richtung Business-Beteiligung beobachte. Vehikel dafür ist das Thema SOA-Governance, das endlich von den Unternehmen ernst genommen wird und nur noch von sechs Prozent unbeachtet bleibt.

Generell setzen 47 Prozent der Umfrageteilnehmer SOA ein (36 Prozent im SOA Check 2008), 37 Prozent befinden sich in entsprechenden Planungen. Die gute Nachricht in diesem Zusammenhang ist auch, dass die Zielerreichung innerhalb der SOA-Projekte zugenommen hat. Zwar liegt sie im statistischen Mittel nur bei 66 Prozent, dennoch gibt es hier eine klare positive Entwicklung, heißt es seitens der Analysten. Als Beweis dafür führen sie an, dass 19 Prozent der Unternehmen, die SOA betreiben, bereits mehr als zehn SOA-gestützte Prozesse im Einsatz haben, 34 Prozent davon arbeiten mit mehr als 40 Services.

Als SOA-Anwendungen belegen die ersten zwei Plätze das Business-Process- und das Business-Rules-Management. Platz drei teilen sich das Outsourcing von Funktionen und Diensten sowie das Customer-Relationship-Management (CRM). Servicequellen sind in erster Linie CRM-, ERP- und Data-Warehouse-Systeme. Etwas verständnislos kritisieren die Analysten, dass die Disziplinen Compliance- und Risk-Management auf den letzten Plätzen der SOA-Anwendungen rangieren. Diese vor allem in der aktuellen Krisensituation wichtigen Themen ließen sich mit Serviceorientierung besonders gut vorantreiben. Hier räche sich sehr wahrscheinlich die ausgeprägte IT-Lastigkeit der SOA-Initiativen, heißt es zur Begründung.