Scheer heizt Übernahmegerüchte an

Alexander Freimark wechselte 2009 von der Redaktion der Computerwoche in die Freiberuflichkeit. Er schreibt für Medien und Unternehmen, sein Auftragsschwerpunkt liegt im Corporate Publishing. Dabei stehen technologische Innovationen im Fokus, aber auch der Wandel von Organisationen, Märkten und Menschen.
Der Firmengründer August-Wilhelm Scheer bringt Spekulationen über einen Verkauf der IDS Scheer AG in Umlauf.

Anfang November stieg der Aktienkurs des Prozess-Management-Spezialisten IDS Scheer stark an. Unternehmensgründer und Aufsichtsratsvorsitzender Scheer hatte in einem Interview mit der "Wirtschaftswoche" einen Verkauf des Saarbrücker Software- und Beratungsunternehmens nicht ausgeschlossen.

"Zwei verlorene Jahre"

Im Interview übte Scheer harte Kritik - vor allem an dem ehemaligen Vorstandschef Thomas Volk. Volk war Mitte 2006 von Sybase zum Anbieter der "Aris"-Software gewechselt, um Helmut Kruppe abzulösen. Der Neue ging mit aggressiven Umsatzzielen an den Start, die er jedoch nicht erreichte, und wurde nach zwei Jahren - im August dieses Jahres - wieder entlassen. Für die Entwicklung des Unternehmens seien das "zwei verlorene Jahre" gewesen, konstatierte Scheer.

"Es geht um mein Lebenswerk", formulierte der Professor für Wirtschaftsinformatik und Vorzeige-Entrepreneur der deutschen Softwareszene seine Besorgnis. Die Bilanzzahlen sprechen für sich. So schrumpfte die Gewinnmarge von rund 14 Prozent im Jahr 2003 auf sechs Prozent im ersten Halbjahr dieses Jahres, und das angepeilte Margenziel für 2008 wurde von acht bis neun auf drei bis vier Prozent gesenkt. Ein Verkauf des in der Krise steckenden Unternehmens sei "keine unrealistische Entwicklung", erklärte Scheer.

Analysten sind sich einig über die Wirkung dieser Aussagen. Der Firmengründer habe nun signalisiert, dass eine Übernahme an ihm nicht scheitern solle, so Roger Peeters, Vorstand bei Close Brothers Seydler Research AG. Der Bericht "reanimiere" die Übernahmespekulationen und sei der Grund für die Kursrallye, fügten Händler hinzu.

Skepsis hinsichtlich Scheers Absichten äußerte allerdings Henning Steinbrink, Analyst bei Sal. Oppenheim: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Scheer auf dem aktuell niedrigen Niveau wirklich an einem Verkauf interessiert ist." (qua)