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.xxx am Start

Sauber abgegrenzte Schmuddelecke im Netz

19.07.2011
Sex sells - das hofft zumindest das amerikanische Unternehmen, das die .xxx-Endung für Internetadressen vermarktet.

Es wirbt damit, dass im virtuellen Rotlichtbezirk Computerschädlinge keine Chance haben. Doch ausgerechnet die Anbieter nackter Tatsachen sind dagegen.

Stuart Lawley von ICM Registry hofft, dass mit .xxx seine Einnahmen nur so sprudeln.
Stuart Lawley von ICM Registry hofft, dass mit .xxx seine Einnahmen nur so sprudeln.

Safer Cyber-Sex - so lautet das Versprechen. Im Internet eröffnet demnächst ein Rotlichtbezirk mit der Adress-Endung .xxx. Betreiber von Erotik- und Porno-Websites können sich dann Domains mit der Chiffre für sexuelle Inhalte sichern. Der Betreiber, die US-Firma ICM Registry, hat jetzt die Fristen dafür genannt. Sie verspricht mehr Schutz vor virtuellen Schädlingen wie Viren - und hofft auf ein Millionengeschäft. Der Gründer Stuart Lawley stößt allerdings auf viel Widerstand. Nicht zuletzt aus der Pornobranche.

Dass es noch keinen solchen Rotlichtbezirk gibt, hat mit der Politik der Internet-Verwaltung ICANN zu tun. Die Organisation hielt sich bei der Vergabe der sogenannten Top Level Domains (TLD) zurück. Anspruch auf so ein Adresskürzel hat bislang zum einen jeder Staat - von .cn für das Milliardenreich China bis .va für den Vatikan. Zum anderen gibt es generische TLD wie .com, .net oder .biz. Bei der Vergabe dieser Endungen war die Internet-Verwaltung ICANN bislang zurückhaltend.

Doch damit ist es vorbei: Nach jahrelangen Diskussionen hat die ICANN in diesem Jahr nahezu beliebige Wörter als Adress-Endungen zugelassen. Das ebnet Städten wie Berlin und Regionen wie Bayern den Weg in die Netz-Souveränität, ebenso Unternehmen. Auch generische Begriffe sind nun zulässig, etwa .auto, .reise - oder eben .xxx.

Um die Verwaltung der Neubaugebiete im Netz kann sich jede Firma mit dem nötigen Budget bewerben. Allein die Bewerbungsgebühr beträgt 185.000 Dollar, für den Betrieb dürften Millionen draufgehen. Dennoch warten Experten, dass bald Hunderte neue Endungen online gehen. Es schlägt die Stunde der Vermarkter.

Einer von ihnen ist Stuart Lawley. Der Brite reichte schon im Jahr 2000 seine Bewerbung für die Verwaltung der .xxx-Top-Level-Domain bei der ICANN ein. Elf Jahre und 22 Millionen investierte Dollar später erhielt seine Firma ICM Registry den Zuschlag. Sie darf nun die Adressen vermarkten.

Lawley bewirbt die Sex-TLD als sauber abgegrenzte Schmuddelecke im Netz. "Erwachsenen-Inhalte sind klarer benannt. Wer sie vermeiden will, kann das leicht tun", sagte er der Nachrichtenagentur dpa. So könnten Nutzer die anzüglichen Inhalte mit einem Filter sperren, etwa um ihre Kinder zu schützen.

Kinderpornografie ist auf .xxx-Domains verboten. Zudem werden alle Inhalte auf Viren, Trojaner und Würmer überprüft. Solch schädliche Software ist gerade in den Dämmerecken des Internet weit verbreitet. "Wir hoffen, dass mehr Nutzer zu .xxx-Seiten gehen, weil sie sich in dieser risikofreien Umgebung sicherer fühlen", sagt Lawley.

Die Beschwerden über .xxx sind jedoch zahlreich. Wenig überrascht, dass amerikanische Konservative den Sündenpfuhl ablehnen. Doch auch die Sexbranche in den USA ist dagegen: Ein Branchenverband mit dem etwas irreführenden Namen "Free Speech Coalition" (Koalition für Meinungsfreiheit) befürchtet, dass sittenstrenge Gesellschaften dank der Einheitsendung leichter nackte Tatsachen zensieren könnten. Zudem warnt sie vor den Kosten für die zusätzlichen Adressen. Bedenken haben auch Markeninhaber aller Branchen. Mit den neuen Zonen im Internet könnten neue Kämpfe um die Adressen aufbranden.

ICM Registry versucht, solche Bedenken zu streuen. Erotikanbieter können vom 7. September bis zum 28. Oktober ihre Marken reservieren. Unternehmen, die ihren Namen nicht im Rotlichtbezirk sehen wollen, haben die Gelegenheit, Adressen sperren zu lassen. Die Gebühr dafür dürfte zwischen 200 und 300 Euro liegen.

Trotz aller Beschwerden - die Aussichten auf Erfolg sind gut. 600.000 Bewerber haben sich bereits eine .xxx-Domain vorab reserviert. "Wir schätzen, dass wir in den ersten zwölf Monaten 300.000 bis 500.000 Domains verkaufen", sagt Lawley. Bis zu 50 Millionen Dollar Umsatz könne das allein im ersten Jahr einbringen. Auf bis zu 200 Millionen Dollar taxiert er das Potenzial. Sex sells - auch wenn es nur um die Internetadressen geht. (dpa/tc)