Marge im Fokus

SAP weiter von Cloud getragen

17.10.2016
Europas größtem Softwarekonzern SAP verschafft der Umbau zu Cloudsoftware wohl weiter ordentliches Wachstum.

Auch der Lizenzverkauf fest installierter Software sollte dank neuer Programmversionen im abgelaufenen dritten Quartal nicht enttäuscht haben, schätzen Analysten. Sorge bereitet den Experten nach wie vor hauptsächlich die operative Gewinnmarge, die allerdings im zweiten Quartal klar positiv überrascht hatte. Während des laufenden und für SAP mit Abstand wichtigsten vierten Quartals rechnet die Mehrzahl der Analysten nicht mit einer Änderung der Prognose. Der Dax-Konzern will seine Zwischenbilanz am Freitag (21. Oktober) veröffentlichen.

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Wachstumstreiber bei den Walldorfern ist und bleibt die stark ausgebaute Sparte mit Cloudsoftware zur Miete aus dem Internet. Im dritten Quartal schätzen sieben befragte Analysten das Wachstum im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum im Schnitt auf knapp 31 Prozent - das wären 783 Millionen Euro. Die Lizenzsoftware dürfte dank der neuen Programmversion S4 mit 1,02 Milliarden Euro das Vorjahresniveau knapp gehalten haben. Zusammen mit der wichtigen Wartung und dem Service steht damit wohl ein Umsatzplus von gut 7 Prozent auf 5,34 Milliarden Euro in den Büchern.

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Das um Sondereffekte bereinigte Betriebsergebnis (Ebit) ist den Schätzungen zufolge um rund 6 Prozent auf 1,72 Milliarden Euro geklettert, die operative Marge demnach um rund 0,3 Prozentpunkte auf 32,1 Prozent gesunken. Noch kosten die Investitionen in die Cloudsoftware mehr Geld als sie an Gewinn bringen. Denn für die Mietsoftware müssen Rechenzentren gebaut werden, zudem fehlen die großen Einmalerlöse, da der Preis im Abonnement über die Zeit bezahlt wird.

UBS -Analyst Michael Briest sieht zudem einen stärkeren Preiskampf bei der Cloudsoftware seit Jahresbeginn. SAP müsse auch noch viele seiner Programmteile umschreiben und zugekaufte Cloudplattformen auf die Datenbanktechnik Hana zuschneiden. Das laste auch kommendes Jahr noch auf der Marge.

Barclays -Analyst Gerardus Vos ist allerdings deutlich optimistischer, auch weil er sich mehr vom Verkauf herkömmlicher Softwarelizenzen erwartet. SAP stehe mit der neuen Version S4 am Beginn eines mehrjährigen Upgradezyklus, in dem bestehende Kunden ihre Software aktualisieren. Zusammen mit einer besseren Auslastung der Rechnerkapazitäten in der Cloud und weniger Investitionen hätten die Walldorfer einen Hebel für steigende Margen in der Hand.

Auch Nicolas David von der Investmentbank Oddo Seydler glaubt, dass die Anleger am Markt die Chancen SAPs bei Lizenzsoftware derzeit zu skeptisch einschätzen. SAP komme aber jetzt an einen kritischen Punkt: Im ersten Halbjahr hätten Einsparungen und das vergleichsweise schwächere Abschneiden im Vorjahr einiges wettgemacht. Jetzt müsse das Unternehmen solidere Ergebnisse vorlegen, um den zuletzt gestiegenen Aktienkurs zu rechtfertigen.

Langfristig sei das Unternehmen gut aufgestellt, sagt DZ-Bank-Experte Harald Schnitzer. Weil SAP 2016 und 2017 keine größeren Zukäufe plane, seien Dividendenerhöhungen und Aktienrückkäufe möglich. Unter dem Strich schätzt der Analyst das Nettoergebnis im dritten Quartal auf rund 950 Millionen Euro. (dpa/ad)