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SAP verteidigt Retek-Rückzug

23.03.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Entscheidung, kein aufgebessertes Gebot für Retek abzugeben, begründet SAP mit den eindeutigen Richtlinien seiner Merger- und Akquisitionspolitk. Demnach müsse dies zu einem Preis geschehen, der der guten finanziellen Performance der SAP keinen Schaden zufüge, heißt es in einer offiziellen Mitteilung der badischen Softwerker.

SAP hatte sich gestern aus dem Bieterrennen um den US-amerikanischen Spezialisten für Software für den Groß- und Einzelhandel Retek zurückgezogen und dem Konkurrenten Oracle den Vortritt gelassen. Nachdem der Datenbankspezialist das auf elf Dollar je Retek-Aktie erhöhte Angebot der SAP mit einer Offerte in Höhe von 11,25 gekontert hatte, wollten die Walldorfer nicht noch einmal nachlegen. Von einem weiteren Bieterkampf hätten weder die Investoren noch die Kunden profitiert, heißt es in der SAP-Erklärung weiter.

Nach Einschätzung von Analysten wäre Retek ein teurer Zukauf für SAP gewesen. Gerechnet hätte sich die Akquisition bei einem Preis von rund 500 Millionen Dollar. Das entspricht in etwa dem ersten Gebot SAPs in Höhe von 8,50 Dollar. SAP sollte jedoch nicht allzu enttäuscht sein, rät David Bradshaw, Analyst von Ovum. Oracle habe Retek nötiger gebraucht als SAP. Außerdem habe das deutsche Softwarehaus seinen US-amerikanischen Konkurrenten zwingen können, einen hohen Preis zu zahlen.

Trotz des Rückzugs will SAP weiterhin die Entwicklung von Lösungen für Groß- und Einzelhandelsunternehmen vorantreiben. Das Segment genieße weiterhin eine hohe Priorität bei SAP, versicherte Vorstandssprecher Henning Kagermann. Weitere Partnerschaften oder Übernahmen wollte der SAP-Chef jedoch nicht ausschließen.

Doch auch ohne Unterstützung von außen sieht Kagermann das größte deutsche Softwarehaus in diesem Marktsegment gut positioniert. Eigenen Angaben zufolge hat SAP rund 2400 Kunden in der Retail-Sparte. Experten zufolge kommt Oracle auf rund 1000 Kunden im Handelssegment, davon kommen 200 aus der Retek-Übernahme. Kagermann will die Position der SAP weiter ausbauen. Die Chancen dafür ständen nach seiner Prognose nicht schlecht. So befinde sich das Retail-Segment derzeit in einem Wandel. Viele Unternehmen würden zunehmend erwägen, Standardsoftware einzuführen.

Nach Einschätzung von Analysten haben viele Unternehmen Individuallösungen beziehungsweise stark modifizierte Softwaresysteme im Einsatz. Auch die Retek-Applikationen sind in aller Regel in einem hohen Maße customized, das heißt an die individuellen Bedürfnisse der Kunden angepasst. (ba)