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SAP verkauft mehr Software als erwartet

21.04.2005
SAP hat im ersten Quartal erneut von einer hohen Nachfrage in den USA profitiert. Der Gewinnanstieg lag dabei im Rahmen der Prognose.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Europas größter Softwarehersteller SAP hat im ersten Quartal erneut von einer hohen Nachfrage in den USA profitiert und deutlich mehr Software verkauft als von Experten erwartet. Der Gewinnanstieg lag dabei im Rahmen der Prognose. Zudem bestätigte SAP am Donnerstag in Walldorf nach den ersten drei Monaten erwartungsgemäß den Ausblick für das Gesamtjahr. Im ersten Quartal seien zudem 1.004 oder rund drei Prozent neue Mitarbeiter eingestellt worden. SAP baute nach eigenen Angaben seine Position als Marktführer aus, während Oracle demnach inklusive der im Januar übernommenen Peoplesoft an Anteilen einbüßte.

Der von Experten viel beachtete Umsatz aus dem Verkauf von Software sei um 17 Prozent auf 434 Millionen Euro gestiegen. 14 von dpa-AFX befragte Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Anstieg auf 409 Millionen Euro gerechnet - wobei die höchste Prognose bei 425 Millionen Euro lag. Der Überschuss legte von 229 Millionen Euro im Vorjahr auf 254 Millionen Euro zu. Hier hatten die Experten mit einem Plus in dieser Größenordnung gerechnet. Die im EuroSTOXX 50 notierte Aktie legte vorbörslich deutlich zu.

"Wir freuen uns über ein weiteres erfolgreiches Quartal", sagte SAP-Chef Henning Kagermann. "Mit diesen Ergebnissen beweist die SAP, wie weit sie sich von anderen Unternehmen in der Softwarebranche abgesetzt hat. Zugleich wird der Abstand noch größer. Wir übertreffen die Ergebnisse unserer Wettbewerber, wir erreichen ein zweistelliges Wachstum bei den Softwarelizenzen und wir gewinnen Quartal für Quartal Marktanteile."

Der operative Proforma-Gewinn, bei dem die Aufwendungen für Akquisitionen Aktienvergütungsprogramme sowie Abschreibungen auf den Unternehmenswert nicht enthalten sind, legte um 15 Prozent auf 381 (Prognose: 384) Millionen Euro zu. Die operative Marge auf Proforma-Basis habe um rund einen Prozentpunkt auf 22,0 Prozent zugelegt. Beim Gesamtumsatz verzeichnete das Unternehmen ein Plus von elf Prozent auf 1,729 Milliarden Euro und übertraf damit die Prognosen leicht.

Beim Lizenzumsatz konnte SAP wie schon im vergangenen Quartal vor allem in den USA deutlich zulegen. Der Softwareerlös sei um 27 Prozent auf 131 Millionen Euro gestiegen. Analysten hatten hier zwar mit einem deutlichen Plus gerechnet, dabei jedoch maximal einen Zuwachs von 20 Prozent erwartet. Der Marktanteil bei Anwendungssoftware für Unternehmen in den USA sei damit von 38 Prozent Ende 2004 auf 41 Prozent gestiegen. Damit wurde die Marktführerschaft in den Vereinigten Staaten nach SAP-Angaben ausgebaut.

In Europa konnte SAP beim Lizenzumsatz ebenfalls überraschend deutlich zulegen, wobei allerdings der Softwareerlös in Deutschland leicht zurückging. Weltweit steigerte SAP den Anteil im Markt für Unternehmensanwendungsoftware auf den neuen Rekord von 58 Prozent. Oracle, weltweit nach Microsoft zweitgrößter Softwarehersteller, büßte trotz der Ende 2004 abgeschlossenen Übernahme von Peoplesoft an Anteilen ein. Der Marktführer im Bereich Datenbanken will im Anwendungsbereich stark wachsen und hatte daher erst im März SAP beim Kampf um US-Softwarehaus Retek überboten. Analysten stuften den von Oracle gezahlten Preis als zu hoch ein.

Bei der Prognose für das Gesamtjahr blieb SAP trotz des überraschend guten ersten Quartals bei den bisherigen Aussagen. Die ersten drei Monate des Jahres sind allerdings bei dem weltweit drittgrößten Softwarehersteller traditionell die umsatzschwächsten. Der Lizenzumsatz im laufenden Jahr soll um zehn bis zwölf Prozent zulegen. Die operative Proforma-Marge soll in der Spanne von 0 bis 0,5 Prozentpunkte auf 28 Prozent verbessert werden. Beim Proforma-Ergebnis je Aktie peilt SAP einen Wert zwischen 4,70 und 4,80 (2004: 4,37) Euro an. Der Prognose liegt ein Eurokurs von 1,30 Dollar zugrunde.

SAP stellte im ersten Quartal 1004 neue Mitarbeiter ein und steigerte damit die Mitarbeiterzahl um rund drei Prozent auf 33.209. Im Januar hatte SAP-Chef Henning Kagermann für das laufende Jahr rund 3000 neue Mitarbeiter angekündigt. 2004 hatte SAP die Zahl der Mitarbeiter um knapp 2.600 oder neun Prozent auf 32.205 erhöht. (dpa/tc)