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SAP stellt Wachstum vor Profit

14.11.2005
Der Walldorfer Softwarehersteller will im kommenden Jahr lieber Marktanteile gewinnen als die Profitabilität verbessern.

Der Markt werde schließlich nicht jedes Jahr neu aufgeteilt, erklärte SAP-Vorstandssprecher Henning Kagermann in einem Interview mit der "Börsen-Zeitung". "Es wäre daher falsch, Kompromisse einzugehen, wenn wir Marktanteile gewinnen können." Er werde es nicht riskieren, auf mögliches Wachstum zu verzichten, nur um eine höhere Marge zu erzielen, sagte der SAP-Chef. "Wir sind in einem Markt, der nicht durch automatisches Wachstum verwöhnt ist."

Im Gegensatz zum Konkurrenten Oracle, der sich Peoplesoft und Siebel einverleibt hat, will der Walldorfer Konzern weiter auf organisches Wachstum setzen. SAP sei praktisch der einzige große Anbieter, der kräftig organisch wachse, so Kagermann. "Das ist Stärke, und die muss man ausnutzen." Wenn Oracle mit der Integration seiner Zukäufe Schwierigkeiten haben sollte, sei das eine "zusätzliche Chance für SAP".

Der SAP-Chef geht davon aus, dass der Konzern im Produktgeschäft wieder dauerhaft zweistellig wachsen kann. Vor allem mit Blick auf den umkämpften US-Markt, wo SAP im dritten Quartal die Lizenzumsätze um ein Drittel steigern konnte, zeigte er sich optimistisch. "In den USA zeigen wir seit zwölf Quartalen in Folge zweistellige Wachstumsraten. Ich bin mir sehr sicher, dass wir dieses Niveau dauerhaft halten werden." Allgemein sieht Kagermann besonders bei den Mittelstandskunden Potenzial. "Dieses Produktsegment wächst bedeutend schneller als die anderen", so Kagermann. Derzeit liege der Anteil bei 30 Prozent. Ziel bis 2010 seien aber 45 Prozent.

Trotz der Wachstumsambitionen werde SAP langfristig auch die Rendite steigern, erklärte der Vorstandssprecher, "auch wenn das natürlich nicht so einfach ist, wie man sich das vor ein paar Jahren vorgestellt hat".

Den Anlegern versprach Kagermann trotz der Orientierung auf eine Ausweitung der Marktanteile eine überproportionale Beteiligung an den Unternehmensgewinnen. Es sei geplant, die Ausschüttungsquote mittelfristig von 26 auf 30 Prozent zu erhöhen. Bereits für 2004 hatte SAP die Dividende von 80 Cent auf 1,10 Euro pro Aktie angehoben. (mb)