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SAP liefert überraschend optimistische Prognose

25.01.2006
Europas größter Softwarehersteller SAP hat mit einem ungewohnt optimistischen Ausblick auf das laufende Jahr überrascht.

Umsatz und Gewinn sollen 2006 wieder zweistellig wachsen. Der für den künftigen Gesamtumsatz wichtige Lizenzerlös soll im laufenden Jahr zwischen 15 und 17 Prozent zulegen, teilte das im EuroSTOXX 50 am Mittwoch in Walldorf mit. Die meisten Analysten gehen zwar von einem Anstieg in dieser Größenordnung aus, haben jedoch mit einer verhalteneren Prognose seitens SAP gerechnet. Die Aktie legte vorbörslich deutlich zu und sprang wieder über die Marke von 150 Euro.

Der Marktführer im Bereich Anwendungssoftware, der bei seinen Prognosen traditionell eher vorsichtig ist, erwartet zudem ein beschleunigtes Wachstum bei der operativen Marge vor Sonderposten. Diese soll im laufenden Jahr um 0,5 bis 1,0 Prozentpunkte auf 28,8 bis 29,3 Prozent steigen. Für das Jahr 2007 wird nach früheren Angaben ein Anstieg auf 30 Prozent prognostiziert. Beim Gewinn je Aktie vor Sonderkosten rechnet SAP mit einem Anstieg auf 5,80 bis 6,00 (2005: 5,01 Euro). 2005 war der Gewinn je Aktie vor Kosten für Aktienvergütungsprogramme, Akquisitionen sowie Unternehmenswertabschreibungen um 14 Prozent auf 5,01 Euro gestiegen.

Unter dem Strich verdiente der deutsche Konzern, der sich derzeit mit dem US-Konkurrenten Oracle ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Position als zweitgrößter Softwarehersteller der Welt hinter Microsoft liefert, 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Überschuss stieg auf 1,496 Milliarden Euro. Der Umsatz zog den Angaben zufolge um 13 Prozent auf 8,51 Milliarden Euro an und lag damit im Rahmen der Anfang Januar veröffentlichten Eckdaten.

Beim ebenfalls schon veröffentlichten Softwareerlös verzeichnete SAP ein Plus von 18 Prozent auf 2,78 Milliarden Euro. SAP profitierte dabei von einem erneut überproportional starken Wachstum in den USA, wo der deutsche Konzern unter anderem von der Verunsicherung der Kunden infolge der Übernahmewelle unter den US-Softwareherstellern profitiert. Mit der erneut zweistelligen Wachstumsprognose dürfte Europas größter Softwarekonzern auch in diesem Jahr mit Oracle bei den Umsatzgrößen Schritt halten und bei der Profitabilität näher an den größten Anbieter von Datenbanken rücken.

Oracle versucht derzeit mit einer aggressiven Übernahmestrategie im Anwendungsbereich den Abstand zu SAP zu verringern. Zuletzt verleibte sich der US-Konzern Siebel Systems ein. Die knapp sechs Milliarden Dollar teure Übernahme soll in den kommenden Wochen abgeschlossen werden. Zuvor hatte Oracle bereits den Konkurrenten Peoplesoft, der zuvor selbst JD Edwards übernommen hatte, für etwas mehr als zehn Milliarden Dollar gekauft. Damit sind jetzt die früher wichtigsten SAP-Konkurrenten neben Microsoft alle unter einem Dach vereint.

SAP setzt im Gegensatz zu Oracle vor allem auf internes Wachstum und stellt daher derzeit laufend neue Mitarbeiter ein. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Mitarbeiter um 3668 auf 35.873. SAP-Chef Henning Kagermann hatte zuletzt allerdings bis zu 4.500 neue Mitarbeiter für 2005 angekündigt. Im laufenden Jahr will Kagermann weiter neue Leute einstellen. Zudem prüft SAP wegen des hohen Zuflusses an finanziellen Mitteln, den Aktienrückkauf zu forcieren.

"Das Jahr 2006 wird ein Meilenstein für SAP. Wir werden eine große Anzahl neuer Produkte an den Markt bringen. Unsere Produkt-Pipeline ist stärker als je zuvor", sagte Kagermann. Neue Produkte unterstützten SAPs ESA-Roadmap (Enterprise Services Architecture). Sie seien verstärkt auf den Unternehmensnutzer ausgerichtet und noch stärker auf das Mittelstandssegment zugeschnitten. Sie bildeten die Basis, auf der SAP seinen adressierbaren Markt von derzeit rund 30 Milliarden Dollar auf rund 70 Milliarden Dollar im Jahr 2010 vergrößern werde. (dpa/tc)