Web

"Bücher als Geiseln"

Rund 1100 Autoren protestieren gegen Amazon-Methoden

18.08.2014
Der Protest gegen Amazon wächst. Mehr als 1100 deutschsprachige Autoren haben sich einem offenen Brief angeschlossen und beklagen, der Onlinehändler nehme Bücher als Geiseln.

Dem Protest gegen die Methoden des Onlinehändlers Amazon schließen sich immer mehr Schriftsteller an. Einen offenen Brief unterzeichneten bis zum Sonntagnachmittag 1120 Autorinnen und Autoren, wie die Schriftstellervereinigung PEN-Zentrum Deutschland mitteilte. Darunter sind weitere prominente Namen wie Amelie Fried, Franziska Sperr, Christoph Hein, Doris Dörrie, Gaby Hauptmann, Jan Brandt und Ilija Trojanow.

Zuvor hatten schon Autoren wie F.C. Delius, Tanja Dückers,Josef Haslinger, Jakob Hein, Elfriede Jelinek, Eva Menasse, Sten Nadolny, Nele Neuhaus, Ingrid Noll, Uwe Timm, Ferdinand von Schirach, Alissa Walser, Günter Wallraff und Juli Zeh den Protest unterstützt.

Logistikzentrum von Amazon.de in Bad Hersfeld
Logistikzentrum von Amazon.de in Bad Hersfeld
Foto: Amazon.de

Sie werfen dem Unternehmen "Erpressungsmethoden" vor. Es manipuliere gezielt Empfehlungslisten und liefere Bücher bestimmter Verlage verlangsamt aus, um höhere Rabatte durchzusetzen. "Wir fordern Amazon entschieden auf, nicht länger Bücher und damit auch Autoren und Autorinnen als Geiseln zu nehmen, sondern eine lebendige, ehrliche Buchkultur zu gewährleisten", heißt es in dem Schreiben. Amazon habe kein Recht, Autoren, die am Konflikt mit Verlagen nicht beteiligt seien, in "Beugehaft" zu nehmen.

Der Schriftsteller Daniel Kehlmann ("Die Vermessung der Welt") vermutet, dass Amazon ein Monopol errichten wolle. "Das Geschäftsmodell von Amazon nimmt langfristig in Kauf, ja beabsichtigt wahrscheinlich sogar, dass die Verlage ihre Tätigkeit nicht fortführen können", sagte Kehlmann dem Nachrichtenmagazin "Focus". "Es ist nicht zu begreifen, warum die Kartellbehörden nicht reagieren." Krimi-Autorin Nele Neuhaus schrieb in einem "Focus"-Beitrag: "Eines düsteren Tages wird man womöglich nur noch lesen können, was Amazon genehmigt."

Auch die Hamburger Autorenvereinigung (HAV) unterstützt den Schriftsteller-Protest. Der HAV-Vorsitzende Gino Leineweber prangerte am Sonntag in einer Mitteilung das aus seiner Sicht "unseriöse Geschäftsgebaren" von Amazon an. "Wir haben die einst kleine Firma unterstützt und ihr zu großem Gewinn und Ausbau verholfen und nun kehrt sie sich gegen uns", sagte Leineweber, der auch Präsident der Schriftsteller- und Übersetzervereinigung Three Seas Writer an Translater Council (TSWTC) ist. "Amazon soll sich nicht täuschen, der Protest wächst gewaltig."

Auch in den USA hatten mehr als 900 Autoren, unter ihnen Stephen King und John Grisham, mit einem offenen Brief gegen Amazon protestiert. Dabei geht es um den seit Monaten schwelenden Streit mit dem US-Verlag Hachette. Drüben wie hüben gibt es aber übrigens auch Autoren, die Amazons Geschäftsgebaren weniger dämonisieren und eher Verlage und Buchhandel kritisieren - Self-Publisher zum Beispiel, wie man beim "Buchreport" nachlesen kann. (dpa/tc)