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Rumsfeld-Berater Perle stolpert über Global Crossing

28.03.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Richard Perle hat den Vorsitz eines einflussreichen Beratergremiums im US-Verteidigungsministerium aufgegeben. Hintergrund der Demission ist eine fragwürdige Beratertätigkeit des US-Falken bei dem Pleiteunternehmen Global Crossing. Für diese Konsultationen sollte Perle bei erfolgreichem Abschluß 600.000 Dollar erhalten. Perle gehört im Washingtoner Polit-Establishment um US-Präsident George Bush zu den Hardlinern, die strikt einen Irak-Krieg befürwortet haben. Perle hat es sich bei Gelegenheit auch nicht nehmen lassen, Bundeskanzler Gerhard Schröder wegen seiner den Krieg ablehnenden Haltung zum Rücktritt aufzufordern.

Jetzt ist der Hardliner vom Vorsitz des Defense Policy Board zurückgetreten. In einem Brief an US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld schrieb Perle, er habe sich zu diesem Schritt entschieden, weil die öffentliche Diskussion um seine geschäftlichen Aktivitäten in diesen sehr schwierigen und politisch wichtigen Zeiten von wesentlichen Diskussionen ablenken würden. Auch er, Rumsfeld, würde durch solche öffentlichen Debatten abgelenkt von den Herausforderungen, denen er sich als Verteidigungsminister zu stellen habe. Rumsfeld nahm den Abgang an, bestand aber darauf, dass Perle, wenn schon nicht den Vorsitz, so doch zumindest die Mitgliedschaft im Defense Policy Board behalte.

In einem weiteren Brief an das Telekommunikationsunternehmen Global Crossing schrieb Perle, er werde "im Licht der in der Presse abgehandelten Kontroverse" von seiner Beratertätigkeit zurücktreten. Perle betonte, er habe während seiner Arbeit alle Regeln eingehalten, die ihm im Zusammenhang mit seiner Mitgliedschaft im Defense Policy Board und anderen Beratergremien erwuchsen. Zudem habe er Global Crossing angewiesen, ihm keine Kompensation für seine Bemühungen zu zahlen. Etwaige bereits fällig gewordene Beträge werde er an Familien überweisen, deren Mitglieder in der US-amerikanischen Streitmacht während des Irak-Krieges getötet wurden.

Perle sollte Global Crossing bei der Reorganisation nach dem Konkurs des Telco-Unternehmens beraten. Hierbei ging es insbesondere darum, die Unterstützung der US-Regierung zu gewinnen, 61,5 Prozent der Anteile von Global Crossing an zwei asiatische Firmen verkaufen zu dürfen, zu der auch das Hongkong-Unternehmen Hutchinson Whampoa Ltd. gehört. Das Komitee für ausländische Investitionen kann solche Fusionen oder Firmenbeteiligungen blockieren. Dem Komitee gehört unter anderem Verteidigungsminister Rumsfeld an. (jm)