Web

Nullnummer für Zalando-Aktie

Rocket Internet geht an Preisgrenze

02.10.2014
Der Online-Modehändler Zalando tritt bei seinem mit Spannung erwarteten Börsendebüt auf der Stelle: Die Aktie landet wieder beim Ausgabekurs. Heute kommt der nächste Tech-Börsengang. Die Startup-Schmiede Rocket Internet geht beim Preis an die Obergrenze.

Schlapper Börsenstart für Zalando: Die Aktie des Online-Händlers ist an ihrem ersten Handelstag nach gutem Beginn wieder auf ihren Ausgabepreis zurückgefallen. Am heutigen Donnerstag steht in Frankfurt der zweite große Internet-Börsengang in Folge bevor. Die mit Zalando verwandte Startup-Schmiede Rocket Internet setzte den Ausgabepreis mit 42,50 Euro am oberen Ende der Preisspanne an. Rocket dürfte damit rund 1,6 Milliarden Euro erlösen und zum Start 6,7 Milliarden Euro wert sein.

Bei Zalando hatte es am Mittwochmorgen beim ersten Kurs noch einen Sprung von rund zwölf Prozent auf 24,10 Euro gegeben. Danach ging es jedoch schnell nach unten. Am Nachmittag konnte sich die Aktie noch einige Zeit an der Marke von 22 Euro halten, zum Schluss rutschte der Kurs aber noch einmal auf 21,50 Euro ab.

Zum ersten Kurs war Zalando noch knapp 6 Milliarden Euro wert gewesen. Das war mehr als Dax-Unternehmen wie K+S, Lanxess oder Lufthansa auf die Waage bringen. Zum Schluss lag der Unternehmenswert bei 5,35 Milliarden Euro. Der Börsengang bringt Zalando gut 600 Millionen Euro ein.

Zalando Vorstand: Rubin Ritter, David Schneider, Robert Gentz (v.l.)
Zalando Vorstand: Rubin Ritter, David Schneider, Robert Gentz (v.l.)
Foto: Zalando

Die drei Zalando-Vorstände Rubin Ritter (32), David Schneider (32) und Robert Gentz (31) läuteten den Handel am Morgen traditionell mit einer Glocke ein. Sie packten sie aus einem Zalando-Paket aus.

Schon Anfang der Woche hatte es ein erstes Zeichen gegeben, dass Zalando vorsichtiger bei der Bewertung geworden ist. Mit dem Ausgabepreis wurde die zuvor aufgestellte Preisspanne von 18 bis 22,50 Euro nicht ganz ausgeschöpft, obwohl die Nachfrage mehr als zehn Mal höher als das Angebot an Aktien gewesen sein soll.

Rocket Internet reizte dagegen die Preisspanne von 35,50 bis 42,50 Euro voll aus. Der Startup-Finanzierer hatte den Börsengang um eine Woche vorgezogen, nachdem die Platzierung der Aktien bei Investoren vorzeitig abgeschlossen worden war. Nach Ablauf aller Sperrfristen sollen rund 24 Prozent der Aktien von Rocket Internet an der Börse gehandelt werden. Der Rest gehört den Samwer-Brüdern, die das Unternehmen 2007 gegründet haben, sowie anderen Investoren wie zum Beispiel der schwedischen Kinnevik-Gruppe, United Internet und dem US-Milliardär Len Blavatnik.

Oliver Samwer, CEO von Rocket Internet
Oliver Samwer, CEO von Rocket Internet
Foto: Rocket Internet

Sowohl bei Rocket als auch bei Zalando sind die Internet-Investoren Oliver, Marc und Alexander Samwer Großaktionäre. Die Brüder hielten bisher die Mehrheit bei Rocket Internet. Oliver Samwer ist der Chef. Nach dem Börsengang wird der Samwer-Anteil auf knapp 40 Prozent sinken. Bei Zalando gehören ihnen nach dem Börsengang noch fast 15 Prozent. Haupteigentümer ist dort die schwedische Beteiligungsgesellschaft Kinnevik mit einem Anteil von 31,57 Prozent nach dem Börsengang.

Das Rocket-Geschäftsmodell ist es, junge Internet-Unternehmen zu etablieren. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Online-Handel und Dienstleistungen. Die Startup-Produktion ist wie am Fließband organisiert, ein Geschäftsmodell wird schnell in verschiedenen Ländern an den Start gebracht. Mittlerweile ist Rocket Internet mit rund 50 Firmen in 116 Ländern aktiv.

Zalando schaffte es in diesem Jahr nach hohen Anlaufverlusten in die schwarzen Zahlen. Nach einem positiven ersten Halbjahr könnte es in diesem Jahr auch den ersten Jahresgewinn geben. Der Onlineversender, der sich mit schrillen Werbekampagnen ("Schrei vor Glück") und kostenlosen Retouren einen Namen machte, hatte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,8 Milliarden Euro erzielt.

Die Zentrale von Rocket Internet in Berlin
Die Zentrale von Rocket Internet in Berlin
Foto: Rocket Internet

Die Erlöse aus dem Zalando-Börsengang sollen in das weitere Wachstum des Unternehmens fließen. Zalando will vor allem aus eigener Kraft größer werden, kann sich aber auch Zukäufe vorstellen. Die Berliner wollen ihre Kundenbasis erweitern, die Umsätze beim einzelnen Käufer steigern und auch in neue regionale Märkte vordringen. Der Onlineversender hatte zuletzt knapp 14 Millionen aktive Kunden. (dpa/tc)