Verbraucherschützer

Roaming-Wegfall könnte Tarife verteuern

16.09.2013
Die geplante Abschaffung der Roaming-Gebühren für die Handynutzung im EU-Ausland könnte nach Ansicht von Verbraucherschützern zu höheren Tarifen in Deutschland führen.

"Unsere Sorge ist, dass die Konzerne sich dieses Geld wiederholen, indem sie einfach die nationalen Tarife anheben", sagte der Vorsitzende des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Gerd Billen, laut einer Vorabmeldung des Nachrichtenmagazins "Spiegel".

Zentrale des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) in Berlin
Zentrale des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) in Berlin
Foto: Thomas Cloer (CC BY-NC-SA 2.0)

Die EU-Kommission will die Gebühren-Aufschläge für die Handynutzung im EU-Ausland bis Juli 2016 abschaffen. Die Brüsseler Behörde veröffentlichte die Pläne am vergangenen Mittwoch. Demnach sollen Telekomfirmen freiwillig auf die Roaming-Gebühren für SMS, Handytelefonate und Internetnutzung verzichten. Tun sie das nicht, müssten sie ihren Kunden unkompliziert die Nutzung von Anbietern vor Ort ermöglichen. Für eingehende Anrufe beim Auslandsaufenthalt sollen die Extrakosten bereits ab Juli 2014 wegfallen. Die Vorschläge benötigen die Zustimmung des Europaparlaments und der 28 EU-Staaten.

Die Telekommunikationsunternehmen sind gegen den Vorstoß der zuständigen EU-Kommissarin Neelie Kroes. Schließlich würde er sie rund 1,6 Milliarden Euro kosten, wie das Magazin weiter schreibt. "Sollte Kroes ihre Pläne durchkriegen, müssen die Regulierungsbehörden die Preisentwicklung am deutschen Handymarkt sehr genau beobachten", forderte Billen und fügt hinzu: "Sonst zahlen die Verbraucher am Ende das Gleiche - es wird nur anders verpackt."

Die deutschen Mobilfunktarife liegen dem Bericht zufolge derzeit mit durchschnittlich 8,8 Cent pro Minute europaweit im Mittelfeld. Am wenigsten zahlen demnach die Kunden mit 1,9 Cent in Litauen, am meisten mit 14,7 Cent in den Niederlanden, 674 Prozent mehr als die Litauer. (dpa/tc)