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RFID-Tags in Parmesan-Laibe eingepflanzt

07.07.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Während große unternehmensübergreifende Radio-Frequency-Identification-Projekte (RFID) wie das von Wal-Mart mit erheblichen Problemen zu kämpfen haben, liefern kleinere Initiativen im überschaubaren Rahmen bereits wertvolle Ergebnisse. Das "Wall Street Journal" hat ausgerechnet im alten Europa ein Musterbeispiel für einen rentablen RFID-Einsatz entdeckt: Das Konsortium der Milchproduzenten im italienischen Mantua nutzt die Technik, um den dort produzierten Parmigiano Reggiano "Virgilio" vor billigen Fälschungen aus Osteuropa zu schützen. Die RFID-Tags werden in die Kruste der frischen Käselaibe eingelassen und speichern Herkunft, Herstellungsdatum sowie die voraussichtliche Qualität und den Preis.

Für die italienischen Käsehersteller vom Consorzio Latterie Virgilio bietet RFID zudem eine neue Lösung für alte Probleme: Bislang wurde in die Laibe eine Seriennummer eingebrannt, die jedoch häufig unlesbar wurde, weil der Käse während seiner sechs- bis 36-monatigen Reifezeit wöchentlich abgebürstet werden muss. Eine ungenaue Identifizierbarkeit verursacht aber Probleme, weil der Preis je nach Qualität stark variiert. In dem zentralen Lagerhaus der Kooperative werden rund 200.000 Käseräder aufbewahrt. Während ein durchschnittlicher 30-Kilo-Laib rund 180 Euro einbringt, lassen sich für die beste Qualität bis zu 300 Euro erzielen. Die Güte wird über eine Reihe von Faktoren wie Klang, Farbe, aber auch mittels Röntgenbildern festgestellt und auf dem RFID-Chip gespeichert. Teure Verwechslungen und Reklamationen sollen für die Kooperative mit einem Jahresumsatz von mehr als 400 Millionen Euro damit der Vergangenheit angehören.

Erste Erfahrungen hat das Konsortium von Mantua vor zwei Jahren gesammelt. In einem Pilotprojekt wurde die Technik nur bei einigen der insgesamt 96 angeschlossenen Molkereibetriebe erprobt. Der italienische IT-Anbieter Datalogic entwickelte einen speziellen Chip der sich in Casein, einem Material, das auch in der Parmesan-Kruste vorkommt, einbetten lässt und somit den Geschmack des Käses nicht negativ beeinflusst. Die Investitionen beliefen sich auf zirka 70.000 Euro. Derzeit läuft der Rollout für alle anderen angeschlossenen Betriebe, wobei die Kooperative hierfür weitere 160.000 Euro und zusätzlich 60 Cent pro RFID-Tag ausgibt. Carlo Buttasi, technischer Direktor des Konsortiums, schätzt, dass der RFID-Einsatz die operationalen Kosten um bis zu 50 Prozent senken kann.

Datalogic-CEO Roberto Tunioli erklärt den schnellen Erfolg des Projekts mit der Standardisierungsfrage. Während sich Wal-Mart mit unzähligen Zulieferern und Distributoren auf einen Standard einigen müsse, sei es für die Käsehersteller in Mantua ein Klacks, sich auf ein gemeinsames Vorgehen zu verständigen. (rg)