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RFID-Chips: Mehr als zehn Cent dürfen sie nicht kosten!

18.04.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Radiofrequenz-Identifikation (RFID) wird einfacher und billiger. Das zumindest erhoffen sich die Anwender von den für dieses Jahr angekündigten Implementierungen des Electronic Product Code (EPC) Class 1 Generation 2, kurz "Gen2". Aus Sicht der Marktbeobachter wäre ein Stückpreis von 20 Cent bereits als Durchbruch zu werten. Doch die Zulieferer der großen Handelsketten sehen das anders. Wie sie kürzlich auf einer Konferenz in Boston bestätigten, liegt ihre Schmerzgrenze bei höchstens zehn Cent pro Chip.

"Wir bewegen Hunderte von Millionen von Kisten im Jahr, und wir kalkulieren mit niedrigen Profit-Margen", erläuterte beispielsweise der Chief Technology Officer des Lebensmittelherstellers Tyson Foods Inc., der auf den klangvollen Namen Gary Cooper hört. "Multiplieren Sie doch einfach mal 20 Cents mit Hunderten von Millionen!" Tyson Foods nimmt an einem Wal-Mart-Pilotversuch im Großraum Dallas teil. Für das dortige Verteilzentrum der Handelskette hat der Lebensmittelhersteller bereits 90 Prozent seiner Paletten und Kisten mit RFID-Tags gekennzeichnet. Die Geschäftsmodell-Kalkulationen des in Springdale, Arkansas, ansässigen Unternehmens, gehen davon aus, dass sich die Investitionen in RFID frühestens Ende dieses Jahres, wahrscheinlich aber erst im kommenden Jahr auszahlen werden - vorausgesetzt, die Chip-Kosten sinken unter die Zehn-Cent-Schwelle. Hersteller, Berater und Analysten warnen jedoch: Es könne zwischen einem und fünf Jahren dauern, bis die Gen2-Transponder die Schallmauer von zehn Cents durchbrechen.

Edwin Matthews will sogar noch mehr: Innerhalb der nächsten 18 bis 24 Montate müssen die Kosten pro RFID-Tag auf sieben Cent sinken, fordert der Director of Information Services bei Pacific Cycle LLC in Madison, Wisconsin. Andernfalls sei es notwendig, mit den Handelsketten, die den RFID-Einsatz von ihren Zulieferern verlangen, zu "diskutieren".

Für Matthews und seine Kollegen steht und fällt die Rentabilität ihrer RFID-Projekte mit dem Preis der Chips. Im vergangenen halben Jahr haben einige von ihnen einen soliden "Business Case" entwickelt, der bei entsprechend niedrigen Einstandskosten einen Profit ermöglichen würde, so Jeff Woods, Analyst bei Gartner. "Vor sechs bis neun Monaten bestanden die Geschäftsmodelle aus Glauben und Hoffen", erinnert sich der Marktbeobachter, doch heute gebe es einige "vernünftige" Berechnungen - die sich allein wegen der derzeitigen Chip-Kosten nicht umsetzen ließen.

Also hoffen die RFID-Pioniere, dass sie möglichst viele Nachahmer finden, weil der Masseneffekt die Preise drücken würde. Aber wegen der hohen Kosten schrecken viele Unternehmen vor dem Einsatz der Technik zurück. "Es ist das klassische Huhn-und-Ei-Szenario", sagte Dennis Gaughan, Analyst bei AMR Research. (qua)