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Reuters will Angebot an freien Wirtschaftsnachrichten einschränken

05.04.2004

Die britische Nachrichtenagentur Reuters will den Großteil ihrer Wirtschafts- und Finanznachrichten im Internet künftig nicht mehr an Dritte ausliefern. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, sollen ab Juni zunächst nur noch die Schlagzeilen von Top-News aus den Bereichen Wirtschaft und Finanzen auf Web-Seiten von Betreibern wie Yahoo oder AOL erscheinen. Anstelle eines vollständigen Artikels finden die Nutzer jedoch nur einen Link auf Reuters.com.

Im Laufe des nächsten Jahres will Reuters dann einen Teil der Informationen, etwa Zusatzmaterial oder Interviews mit wichtigen Branchenvertretern schrittweise nur noch den eigenen Abonnenten zur Verfügung stellen. Allgemeine Nachrichten sind von dem neuen Modell aber nicht betroffen, sie werden weiterhin auf den Websites von Dritten erscheinen, die für diesen Service bezahlen.

"Die neue Strategie soll den Wert der Marke Reuters im Konsumentenbereich sichern", erklärte Reuters-Media-Chef Christopher Ahearn. Das Unternehmen hofft damit, die Zahl der Zugriffe und die Verweildauer auf Reuters.com zu verbessern. Unterm Strich soll die Umstellung der traditionsreichen Agentur selbst dann Mehreinnahmen bringen, wenn viele Kunden auf andere News-Dienste ausweichen.

Welchen Stellenwert Reuters in der Online-Medienwelt besitzt, zeigte sich etwa im vergangenen Freitag. So erschien eine Agenturmeldung zu den US-Arbeitsmarktdaten bei Yahoo – zumindest laut Zeitstempel - bereits zwei Minuten vor Ablauf der Sperrfrist um 15.30 Uhr Mitteleuropäische Zeit (MEZ). Die Folge waren auffällige Bewegungen bei den Kursen von Dollar und Anleihenotierungen, die nun untersucht werden. (mb)