Linux und Service-orientierte Architekturen

Red Hat gewinnt Kunden für Open Source SOA

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Der Linux-Distributor verbucht erste Erfolge mit seinen quelloffenen SOA-Produkten aus der JBoss-Sparte.

Seit der Übernahme des Middleware-Spezialisten JBoss arbeitet Red Hat intensiv an einer Ausweitung seines Produktportfolios. Im Zentrum der Bemühungen steht der wachstumsträchtige Markt für Service-orientierte Architekturen (SOA) und Business-Process-Management (BPM), den die Linux-Company vor allem mit Open-Source-Systemen der JBoss-Sparte ins Visier nimmt. Auf der Kundenveranstaltung Red Hat Summit präsentierte Pierre Fricke, verantwortlich für die SOA-Produktfamilie, unter anderem den amerikanischen Telco-Anbieter North State Communications als Kunden.

Das Unternehmen gehört zu den ersten Nutzern der JBoss SOA Platform, die Red Hat im Februar auf den Markt brachte. Um die Nachfrage nach neuen Produkten schneller zu befriedigen, arbeitet North State an einer SOA mit mehreren Enterprise Service Bussen (ESB), der BPM-Suite JBoss jBPM und einem quelloffenen Workflow-System auf der Basis von J2EE.

Zu den Pionieranwendern in Sachen Open Source SOA zählt auch die schwedische Eisenbahngesellschaft Swedish Railroad SJ, berichtete Fricke. Das Unternehmen will seine Fahrkartenverkäufe mit Online-Auktionsplattformen verbinden, um die Auslastung der Züge zu erhöhen. Die Eisenbahner, die täglich rund 100 000 Passagiere befördern und einen Jahresumsatz von umgerechnet einer Milliarde Dollar erwirtschaften, setzen dazu auf eine Service-orientierte Architektur auf Grundlage der JBoss Enterprise Platform.

Bei den Beispielen handele sich um typische Anforderungen der Enterprise-IT, die sich mit Hilfe von SOA-Konzepten abdecken ließen, warb Fricke. Zugleich räumte er ein, dass viele Unternehmen damit noch ganz am Anfang stehen: "Die meisten Organisationen befinden sich im Infrastruktur-Stadium. Sie haben zehn oder 20 Services entwickelt und erkennen nun, dass die Umgebung immer schwerer zu managen ist." Gefragt seien in solchen Szenarien vor allem wirksame Mechanismen für das Registrieren und Verwalten von Services. In diesem Kontext benötigten IT-Verantwortliche unter anderem SLAs und ein Performance Management.

Gerade in Sachen SOA Governance spielten Open-Source-Lösungen derzeit noch kaum eine Rolle, so der Manager. Für Anbieter wie Red Hat ergäben sich daraus Chancen. In einem SOA-Szenario für das Jahr 2010 würden Unternehmen nach seinen Vorstellungen eine BPM-Suite und eine SOA-Governance-Plattform verknüpfen, die nicht nur Web-Services, sondern auch Standards wie BPEL oder SCA unterstützt.

Mehr zum Thema SOA-Governance und Open Source-SOA finden Sie im Experten-Blog SOA meets BPM.