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Real Names macht dicht

13.05.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Real Names, dessen Technik und Geschäftsidee einst als eine der vielversprechendsten im Internet-Umfeld gehandelt wurde, verabschiedet sich sang- und klanglos und stellt seinen Dienst ein. Allerdings nicht klaglos: Schuld am Ende des Unternehmens sei Microsoft, das eine seit März 2000 bestehende Vertriebspartnerschaft nicht habe verlängern wollen. Auf seiner persönlichen Homepage beschreibt Ex-CEO (Chief Executive Officer) Keith Teare, wie es zum Bruch mit Microsoft kam.

Microsoft hatte seinerzeit die von Real Names ersonnene "Keyword"-Suche in seinen Browser "Internet Explorer" integriert. Real Names verwaltet eine Datenbank mit Schlüsselbegriffen, die Surfer anstelle langer und teils kryptischer Internet-Adressen in der Adresszeile eintippen konnten. Dieser Service war nicht zuletzt in Japan und China populär, wo herkömmliche Suchmaschinen oft an den ungewohnten Alphabeten scheitern.

Real Names wurde 1996 gegründet und wollte 1999 sogar an die Börse, verwarf entsprechende Pläne aber aufgrund des ungünstigen Marktumfelds. Seither hat die Company ihre Belegschaft stetig vom einstigen Höchststand von 330 reduziert. Gründer und CEO Keith Teare gibt an, man habe im ersten Quartal 2002 einen positiven Cash-Flow erreicht. Die Absage Microsofts, das auch mit 20 Prozent an der Firma beteiligt ist, entziehe Real Names aber die Geschäftsgrundlage. "Microsofts Entscheidung, den Distributionsvertrag nicht zu verlängern, macht den Erhalt der Firma unrentabel", klagte Tare. Microsoft wollte laut "Wall Street Journal" die Angelegenheit nicht öffentlich kommentieren.

Real Names, das noch Mitte Februar eine Web-Registierung für seine Keywords gestartet hatte, entlässt seine 83-köpfige Belegschaft und beginnt mit der Liquidierung seiner Vermögenswerte. Der Dienst wird wohl spätestens Ende Juni abgeschaltet. (tc)