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Qwest versüßt MCI-Kaufofferte

17.03.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Übernahmekampf um den US-Carrier MCI geht in die nächste Runde: Wie der bislang gegen Verizon unterlegene Bieter Qwest in einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC bekannt gab, hat er sein Angebot von zuletzt 24,60 auf 26,00 Dollar je MCI-Aktie erhöht. Um die MCI-Aktionäre auf seine Seite zu bringen, stockte die Telefongesellschaft aus Denver, Colorado, dabei den Cash-Anteil von 9,10 auf 10,50 Dollar pro Anteil auf. Der Rest soll in eigenen Aktien gezahlt werden.

Mit insgesamt rund 8,45 Milliarden Dollar bietet Qwest nun rund 1,7 Milliarden oder 5,25 Dollar pro Aktie mehr als der Konkurrent Verizon, der mit einer Offerte in Höhe von 20,75 Dollar pro MCI-Anteil oder insgesamt rund 6,75 Milliarden Dollar in bar und Aktien vorerst den Zuschlag erhalten hatte. Der für MCI-Aktionäre wichtige Bargeldanteil liegt um 1,6 Milliarden Dollar höher.

Allerdings hatte MCI-Chef Michael Capellas Verizon bisher den Vorzug gegeben, weil die Company eine Marktkapitalisierung von rund 100 Milliarden Dollar aufweist und im Vergleich zum hoch verschuldeten Carrier Qwest (sieben Milliarden Dollar Börsenwert) finanziell deutlich stabiler ist. Qwest lockt dagegen mit mehr Geld sowie höheren Kostenvorteilen im Falle eines Zusammenschlusses mit MCI. In einer SEC-Mitteilung zweifelt Verizon-Chairman Ivan Seidenberg jedoch an, dass Qwest bereits im ersten Jahr nach der Fusion rund 1,7 Milliarden Dollar Betriebskosten sparen könne. "Merger im Ferngesprächsbereich, die in Hinblick auf potenziell hohe Synergieeffekte geschlossen wurden, haben zu spektakulären Flops geführt", schrieb Seidenberg. Er spielte dabei auf die Übernahme von MCI durch Worldcom im Jahr 1998 an, an deren Ende ein Bilanzskandal im Umfang von elf Milliarden Dollar stand. Die inzwischen in MCI umbenannte Company musste nach der Aufdeckung im Jahr 2002 Gläubigerschutz beantragen und schloss erst im vergangenen Jahr die Reorganisation ab.

Dennoch sind nach wie vor nicht alle Altlasten beseitigt: Wie MCI nun bekannt gab, fiel im Schlussquartal 2004 mit 145 Millionen Dollar ein weitaus höherer Fehlbetrag an als bislang angenommen. Im vergangenen Monat hatte MCI einen ungeprüften Nettoverlust von 32 Millionen Dollar angekündigt. Als Grund für die deutliche Differenz nannte das Unternehmen komplizierte Steuerfragen und die Korrekturen von alten Bilanzen, die im Zusammenhang mit dem Betrugsskandal und der Insolvenz anfielen. Um weitere Fehler zu vermeiden, will MCI nun mehr Buchhaltungskräfte sowie einen für Steuern verantwortlichen Vice President einstellen. (mb)