DRAM

Qimonda klagt nach Insolvenz gegen Infineon

02.12.2010
Der Halbleiterkonzern Infineon hat neuen Ärger mit seiner ehemaligen Tochter Qimonda.
Fasanenpark auf dem Infineon-Campeon in Neubiberg bei München
Fasanenpark auf dem Infineon-Campeon in Neubiberg bei München
Foto: Infineon

Knapp zwei Jahre nach der Pleite reichte der Insolvenzverwalter des Speicherchipherstellers beim Landgericht München eine Klage gegen Infineon ein. Das bestätigte ein Sprecher des Landgerichts I am Donnerstag in München. Zum Inhalt äußerte er sich nicht. Nach Darstellung von Infineon wirft Insolvenzverwalter Michael Jaffé dem Unternehmen Fehler bei der Auslagerung des Speichergeschäfts vor. Dadurch seien Qimonda finanzielle Nachteile entstanden.

Infineon hält die Klage für unbegründet und kündigte an, sich durch alle Instanzen dagegen zur Wehr zu setzen. Ein Sprecher des Insolvenzverwalters wollte sich nicht dazu äußern. "Zu laufenden Verfahren nehmen wir keine Stellung", sagte er.

Ein DRAM-Speicherriegel von Qimonda
Ein DRAM-Speicherriegel von Qimonda

Qimonda musste im Januar 2009 Insolvenz anmelden, nachdem ein drastischer Preisverfall bei Speicherchips zu horrenden Verlusten geführt hatte. Allein in Deutschland waren 4600 Beschäftigte betroffen, neben der Zentrale in München vor allem im Dresdner Chipwerk. In den USA unterhielt Qimonda eine Fabrik in Richmond im US-Bundesstaat Virginia.

Die Schwierigkeiten bei Qimonda hatten Infineon mehrfach die Bilanz verhagelt. Infineon hatte sein Speicherchipgeschäft im Jahr 2006 in die Qimonda AG ausgelagert. Der Insolvenzverwalter sieht darin nach Angaben von Infineon eine sogenannte wirtschaftliche Neugründung und wirft Infineon vor, darüber bei Gericht keine Erklärung abgegeben zu haben. Dadurch sei das tatsächliche Gesellschaftsvermögen der Qimonda niedriger als das Grundkapital ausgefallen. Diese Differenz müsse Infineon Qimonda erstatten.

Um welche Höhe es sich dabei handeln könnte, blieb aber offen. Mit der Klage soll laut Infineon zunächst eine grundsätzliche Zahlungsverpflichtung festgestellt werden. Infineon trifft die Klage zu einem ungünstigen Zeitpunkt, da nach turbulenten Zeiten gerade wieder Ruhe eingekehrt war. Erstmals seit Jahren fuhr das Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr einen Gewinn ein und rechnet weiter mit Wachstum. Die inzwischen verkaufte Handychipsparte eingerechnet verdiente Infineon unter dem Strich rund 660 Millionen Euro, nachdem im Geschäftsjahr 2008/2009 noch ein Verlust von 674 Millionen Euro entstanden war. Der Umsatz wuchs um mehr als 50 Prozent auf rund 4,5 Milliarden Euro. (dpa/tc)