PAC-Prognose

Projektgeschäft wächst robust

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Die Einführung von SAP-Lösungen bleibt gefragt. Die Finanzkrise bremst das Wachstum nur leicht - meinen die Marktforscher von PAC.
Der weltweite Markt für SAP-Beratung umfasst nach PAC-Einschätzung 20,6 Milliarden Euro. Das durchschnittliche Jahreswachstum für den deutschen Markt soll sich bis zum Jahr 2012 auf 5,2 Prozent belaufen. Quelle: PAC
Der weltweite Markt für SAP-Beratung umfasst nach PAC-Einschätzung 20,6 Milliarden Euro. Das durchschnittliche Jahreswachstum für den deutschen Markt soll sich bis zum Jahr 2012 auf 5,2 Prozent belaufen. Quelle: PAC

SAP-Anwendungen sind treibende Kräfte im deutschen IT-Projektgeschäft. Die Vorhaben trotzen der schwierigen Entwicklung in der Gesamtwirtschaft, die durch die aktuelle Finanzmarktkrise ausgelöst wurde. Das zumindest erwarten die Analysten von Pierre Audoin Consultants (PAC). Auch in den nächsten Jahren werde demnach der Markt für IT-Vorhaben weiter zulegen.

Abstand nehmen die Marktforscher jedoch von den sehr zuversichtlichen Konjunkturprognosen, die Ende vergangenen Jahres entstanden sind. Sie lassen sich aufgrund der Unsicherheiten - ausgelöst durch die Finanzkrise, steigende Energiekosten und den starken Euro - nicht erfüllen. Das ursprünglich für 2008 prognostizierte Wachstum von 6,7 Prozent haben die Marktforscher nun auf 6,2 Prozent reduziert. In den kommenden zwei Jahren erwartet PAC Zuwachsraten von 4,4 Prozent (2009) und 4,3 Prozent (2010). Beide Angaben wurden um jeweils mehr als einen Prozentpunkt nach unten korrigiert.

Prognosen nach unten korrogiert

Nach diesen beiden schwächeren Jahren soll es wieder kräftig bergauf gehen. Das durchschnittliche Jahreswachstum für die Zeitspannen 2008 bis 2012 beziffert PAC auf 5,2 Prozent in Deutschland. Die Prognose basiert auf Daten, die PAC bis zum September 2008 aus Anbieter- und Anwenderbefragungen zusammen getragen hat. Die turbulenten Ereignisse der vergangenen zwei Wochen sind in die Bewertungen also noch nicht eingeflossen. Weitere Anpassung nach unten sind denkbar - teilte PAC auf Anfrage mit.

Dennoch sind die Marktforscher zuversichtlich. Sie haben einen grundsätzlichen Marktwandel im IT-Projektgeschäft seit dem Crash im Jahr 2001 erkannt. Damals hatten Anwenderunternehmen eine fast blinde, unkoordinierte Investitionsbereitschaft in einer heterogenen IT-Landschaft gezeigt. Ausgelöst wurde diese Geberlaune durch die Euro-Einführung, den Jahrtausendwechsel und schließlich den E-Business-Hype. Mit dem Markteinbruch kam das Projektgeschäft nahezu zum Erliegen.

Seit 2004 zieht das Projektgeschäft wieder an, allerdings unter anderen Vorzeichen. Es überwiegen konstruktive, pragmatische und gut abgestimmte Vorhaben. Gleichzeitig entwickelte sich die Vergabepraxis an externe Dienstleister weg von Projekte, die nach Zeit und Aufwand abgerechnet werden, hin zu Festpreisen. Anwender übertragen damit das Risiko zum Anbieter. Die IT-Dienstleister wiederum schätzen diese Art der Entlohnung aufgrund der langfristigen Verträge. Sie bieten ihnen Schutz vor Marktschwankungen.

Funktionale SAP-Upgrades kommen später

"Insbesondere die Leistungen rund um SAP stellen einen wichtigen Treiber für den Markt dar", sagte Klaus Holzhauser, Managing Consultant bei PAC. SAPs Sonderstellung werde durch die Umstellung auf das neue ERP-Release sowie die wachsende Bedeutung von Enterprise SOA begünstigt.

Inzwischen haben nach Schätzung von PAC mehr als 60 Prozent der SAP-Kunden in Deutschland ihre Installationen überarbeitet, der größte Teil der Anwenderunternehmen hat jedoch lediglich ein rein technisches Upgrade auf das neue SAP-Release betrieben. Erst in einem zweiten Schritt fokussieren sich diese Unternehmen auf die weitaus aufwändigeren und somit auch kostenintensiveren funktionalen beziehungsweise strategischen Upgrade-Projekte. Angesichts der eingetrübten Konjunkturerwartung verliert aber auch dieses Geschäft an Dynamik. Ein Teil der geplanten großvolumigen, strategischen SAP-Projekte werde nur in reduziertem Umfang verfolgt, vermutet Holzhauser.

Ein weiterer entscheidender Wachstumstreiber im SAP-Umfeld ist die zunehmende Bedeutung von Enterprise SOA. Aktuelle Projekte sind oftmals lediglich als Prototyp und SOA-Testlauf angelegt und umfassen daher ein relativ geringes Volumen. Der Bedarf an NetWeaver-Implementationen werde jedoch weiter zulegen (siehe auch "Alles über Netweaver"). Damit gehe ein Anstieg Projektvolumina einher. Anziehende Nachfrage erwarten die Marktforscher zudem in horizontalen Themen wie Portale, Financials und Human Capital Management (HCM). Zudem gebe es in Branchen wie dem Gesundheitswesen, dem Handel und der diskrete Fertigung überproportionalen Projektbedarf.