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Polytronic: Chips aus Folie

04.07.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Forscher des Fraunhofer Institus arbeiten an neuen Verfahren zur billigen Massenfertigung von Halbleitern. Polymerelektronik, kurz Poytronic, heißt die Technologie, mit der sich Chips auf Folien drucken lassen. Die effizenteste Produktion ist laut Gerhard Klink vom IZM (Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration) das so genannte Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Dabei wird die Folie von einer Rolle abgewickelt, durch mehrere Beschichtungs- und Strukturierungsschritte geleitet und wieder aufgewickelt. Ziel ist es, Folien ähnlich wie Papier im Rotationsdruck zu bearbeiten. Dadurch wäre es möglich, Massenprodukte wie elektronische Etiketten für Bruchteile von Cents herzustellen.

Das Folienverfahren kann jedoch die herkömmliche Halbleiterproduktion nicht ersetzen. Denn aus Silizium gefertigte Chips sind wesentlich leistungsfähiger als ihre Kunststoff-Pendants. Es lassen sich aber nach Auskunft der Wissenschaftler für spezielle Einsatzgebiete, etwa in der Automobil-, Medizin- oder Kommunikationstechnik, Bauteile aus beiden Herstellungsverfahren kombinieren.

Auch völlig neue Geräteformen soll die Polytronic in Zukunft hervorbringen. Als Beispiele nennen die Forscher so genannte Smart Foils mit UMTS-Telefon, Organizer und Notebook, elektronische Zeitungen, die sich über ein Mobilteil selbständig aktualisieren und in Hemdsärmel integrierte Telefone. Tapeten sollen sich per Knopfdruck in Fernsehbildschirme verwandeln lassen und intelligente Heftpflaster könnten Blutwerte überwachen und bei Bedarf Medikamente dosieren. (lex)