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Podfading: Podcasts kommen - und gehen

08.02.2006
Mit einem selbst gemachten Podcast kann theoretisch jedermann schnell zum Star im Netz werden. Doch viele Podcasts verschwinden genauso schnell wieder, wie sie gestartet wurden.

Dieses Phänomen hat laut "WIRED News" schon einen eigenen Namen - "Podfading" nämlich, kreiert vom Podcaster Scott Fletcher im Februar vergangenen Jahres anlässlich der Einstellung zweier seiner Podcasts. Fletcher beschäftigt sich seither mit seinem monatlichen "Podcheck", einer Diskussion von Podcasting-News.

Die Motive der Podfader sind sehr unterschiedlich - während die einen Frust schieben, dass ihnen keiner zuhört, werden die anderen vom Erfolg ihres Programms überrollt. So geschehen mit Ryan und Jen Ozawa aus Hawaii, die mit ihrem Podcast "The Transmision" zur TV-Serie "Lost" mehr als 15.000 Hörer gewannen. Doch die Nachtschicht nach jeder Folge im Fernsehen wurde auf die Dauer einfach zu anstrengend. "Tags drauf waren wir schlicht zu nichts zu gebrauchen", gestand Ozawa, ein 32-jährige Banker.

Rob Walch, der mit seinem "Podcast 411" regelmäßig andere Podcaster interviewt, schätzt dass wenigstens jeder fünfte nicht über seine zehnte "Sendung" hinauskommt. Das werde noch schlimmer werden, je einfacher das Podcasten werde (zum Beispiel mit dem Podcast-Studio aus Apples neuem "iLife '06"). Walch spricht daher jetzt grundsätzlich nur noch mit Podcastern, die schon zehn Folgen hinter sich gebracht haben.

"Podcasting ist so eine Sache, die billig und einfach anzufangen ist, dann aber unglaublich viel Zeit frisst, ohne dass es sich auszahlen würde", warnt der freie Autor und Blogger Brian Reid aus Virginia, der seinen "Sex Talk" zu Geschlechterproblemen im August drangegeben hat. "Es gab kein Geld dafür und brachte meine Karriere nicht voran. Es gibt eine Menge andere Dinge in meinem Leben, bezahlte Arbeit zum Beispiel oder meine Familie. Das ist nicht wie bloggen, wo man sich mal ein Viertelstündchen hinsetzt und fertig."

Es sind übrigens nicht nur Amateure, die das Podcasten wieder aufgeben. Auch beim New Yorker Radio "Z100", einem der größten Hits in Apples iTunes-Podcast-Verzeichnis nach dessen Start Mitte 2005, tut sich seit Herbst nicht mehr viel. Es gibt keine neuen "Phone Taps" mehr, und der Feed ist auch nicht mehr bei iTunes gelistet. Eine Sprecherin von Clear Channel, dem der Sender gehört, konnte keine Erklärung dafür abgeben. (tc)