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Peregrine setzt halbe Belegschaft vor die Tür

19.06.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Mittlerweile haben sich die Vermutungen bestätigt: Nahezu die Hälfte der Mitarbeiter von Peregrine Systems werden sich demnächst nach einem anderen Job umsehen müssen. Um die Kosten zu senken, plant der auf Asset-Management- und E-Business-Lösungen spezialisierte US-Anbieter, der sich derzeit eine Bilanzprüfung der US-Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) gefallen lassen muss, seine Belegschaft von 2900 auf etwa 1500 Beschäftigte zu reduzieren. Nach Angaben des Unternehmens wird insbesondere das nordamerikanische Geschäft von den jüngsten Einsparmaßnahmen betroffen sein. Unter anderem ist geplant, einen auf B-to-B-Software spezialisierten Unternehmensbereich einschließlich Mitarbeiter zu verkaufen. Nach Angaben von Firmensprecherin Ellen Wolfe ist auch eine Zusammenlegung von Aktivitäten und Geschäftsstellen außerhalb

Nordamerikas nicht ausgeschlossen. Keine Angaben konnte Wolfe jedoch dazu machen, welche Niederlassungen der anvisierten Kostensenkung zum Opfer fallen werden. Das Unternehmen unterhält Zweigstellen unter anderem in Atlanta, Chicago, Bethesda und im kanadischen Mississauga. Nur in geringem Ausmaß betroffen sei hingegen Peregrines "Remedy"-Call-Center-Geschäft, das der Hersteller im vergangenen Jahr im Rahmen eines Aktienhandels in Höhe von 1 Milliarde Dollar erworben hatte. Bereits vergangene Woche hatte der krisengeschüttelte Softwareanbieter den Verkauf seines Supply-Chain-Enablement-Geschäfts sowie die Ausgabe von Anleihen in Höhe von 50 Millionen Dollar angekündigt, um seine finanzielle Situation aufzubessern.

Ende letzten Monats hat Peregrine auch seinen Wirtschaftsprüfer KPMG gefeuert, nur wenige Wochen, nachdem dieser die Buchprüfung des Unternehmens von der in die Enron-Pleite verstrickten Agentur Arthur Andersen übernommen hatte (Computerwoche online berichtete). Kurz nach KPMGs Einstieg waren Unregelmäßigkeiten in den Bilanzen des US-Herstellers zutage getreten, bei denen es um ungeklärte Umsatzbuchungen in Höhe von 100 Millionen Dollar ging. Nachdem sich herausstellte, dass etwa 35 Millionen Dollar der fragwürdigen Einnahmen aus Transaktionen zwischen dem amerikanischen Softwarehaus und KPMGs Beratungsarm KPMG Consulting stammten, beendete Peregrine die Zusammenarbeit und beauftragte Pricewaterhouse-Coopers mit der weiteren Prüfung seiner Bücher.

Von Peregrines momentaner Zwangslage profitieren dürften nach Einschätzung von Analysten die Rivalen BMC Software, Computer Associates International sowie MRO Software. (kf)