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Peoplesoft will sich trotz EU-Urteil weiter gegen Oracle wehren

27.10.2004

Auch nach der Entscheidung der Europäischen Kommission, den feindlichen Übernahmeversuch Oracles nicht zu behindern, wollen die Peoplesoft-Verantwortlichen weiter ihre Abwehrhaltung fortsetzen. Man werde den Spruch der Kartellwächter analysieren und die Auswirkungen prüfen, hieß es in einer offiziellen Verlautbarung des Softwareanbieters. EU-Wettbewerbs-Kommissar Mario Monti hatte am 27. Oktober die Übernahmebemühungen seitens Oracle ohne weitere Auflagen genehmigt. Im Laufe der Untersuchung habe die Kommission keine ausreichenden Belege dafür finden können, dass sich eine Akquisition negativ auf den Wettbewerb im Markt für Business-Applikationen auswirken könnte. Mit der gleichen Begründung hatte ein US-amerikanisches Gericht vor wenigen Monaten die Klage des US-Justizministeriums gegen den Übernahmeversuch abgewiesen.

Obwohl Oracle damit die Hürden der Kartellwächter überwunden hat, bleibt es für den Datenbankspezialisten schwierig. Die Peoplesoft-Führung unter Leitung des Firmengründers David Duffield bleibt auch nach dem Rauswurf von Ex-CEO Craig Conways bei ihrer Blockadepolitik. Man habe das Angebot Oracles sorgfältig geprüft und als unzureichend zurückgewiesen, verlautete zum wiederholten Mal aus dem Hauptsitz des Unternehmens im US-amerikanischen Pleasanton. Die Offerte entspreche nicht dem wahren Wert der Firma. Die Verantwortlichen verweisen in diesem Zusammenhang auf die jüngsten Quartalsergebnisse mit einem im Jahresvergleich um zwölf Prozent gestiegenen Umsatz.

Damit widerspricht der Softwareanbieter der Argumentation der Oracle-Führung, die dem Wettbewerber vorwirft, nicht auf die Interessen der eigenen Aktionäre zu achten. Außerdem erwägt Oracle-Chef Lawrence Ellison derzeit öffentlich, sein Angebot eher zu senken als heraufzusetzen. Er verweist auf wirtschaftliche Schwierigkeiten, in denen Peoplesoft angeblich stecke. Das Peoplesoft-Management wirft den Oracle-Verantwortlichen vor, mit dieser Taktik nur die Geschäfte eines missliebigen Konkurrenten stören zu wollen. Das Verfahren, das Peoplesoft gegen Oracle wegen unfairer Geschäftspraktiken anstrengt, beginnt am 10. Januar vor einem Gericht in Oakland, Kalifornien. (ba)