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Peer-to-Peer kommt nur langsam in Schwung

29.01.2001
Peer-to-Peer, der direkte Austausch von Informationen und Dateien ohne zentrale Server, wird sich nach Meinung von Analysten vorerst im privaten Bereich etablieren. Allerdings kann auch das noch dauern, denn verschiedene Gründe sprechen gegen eine rasche Ausbreitung.

Von CW-Redakteur Alex Freimark

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Peer-to-Peer (P2P), der direkte Austausch von Informationen und Dateien ohne zentrale Server, wird sich nach Meinung von Analysten vorerst im privaten Bereich etablieren. Allerdings kann auch das noch dauern, denn verschiedene Gründe sprechen gegen eine rasche Ausbreitung.

"Großes Interesse, wenig Geschäftsmodelle", lautet das kurze Fazit einer aktuellen Peer-to-Peer-Studie von Forrester Research. Dank des Erfolges der Musiktauschbörse Napster und ihrer zahlreichen Kopien habe sich zwar der Server-lose Datenaustausch innerhalb eines Jahres zu einer Art Mainstream entwickelt. Allerdings gehen die Analysten davon aus, dass sich P2P vorerst im privaten Bereich und nicht in den Unternehmen durchsetzen wird. Dabei ist die Technologie beileibe nicht auf File-Sharing-Dienste begrenzt, und es finden sich bereits jetzt diverse Anwendungsmodelle für den verteilten Umgang mit Informationen und Dateien.

Neben dem File-Tausch à la Napster wird Peer-to-Peer momentan hauptsächlich eingesetzt, um die Kommunikationskanäle der Nutzer zu erweitern. Firmen wie Aimster und Jabber bieten Instant-Messaging-Lösungen (IM) an, wobei das Grundprinzip seit den "IM-Kriegen" zwischen AOL und Microsoft der letzten Jahre bekannt ist. Außerdem eignet sich P2P, um die Suche im Internet zu verbessern. Hier nennen die Analysten das Startup Opencola, das Suchergebnisse und Bookmarks von ähnlichen Anfragen vergleicht und die jeweils passenden Resultate ausgibt. Allerdings sei es laut Forrester schwer, den finanziellen Mehrwert derartiger "Dienstleistungen" zu bestimmen.

Vor allem zwei infrastrukturelle Gründe sprechen neben den ungeklärten finanziellen Fragen nach Meinung der Analysten gegen die rasche Verbreitung von Peer-to-Peer: Einerseits gebe es noch keine universelle Client-Software, denn für jeden Dienst muss ein eigenes Tool installiert werden. Napster-Nutzer finden keine Songs bei Gnutella und umgekehrt, AOLs und Microsofts Instant Messenger verstehen einander nicht - was zumindest von AOL durchaus beabsichtigt ist. Allerdings wird sich dies ändern, denn die Federal Communications Commission (FCC) hat der Fusion von AOL und Time Warner nur zugestimmt, wenn der Internet-Provider seine proprietären Tools öffnet.

Ein anderes Hemmnis für die zügige Verbreitung von Peer-to-Peer ist nach Meinung von Forrester der veränderte Bandbreitenbedarf der Technologie. Es wird nicht mehr alles nur aus dem Netz auf den Rechner gesaugt, die Nutzer derartiger Systeme spielen selbst immer mehr Daten ins Internet zurück. Zugangsverfahren wie ADSL und Kabelmodems halten aber für den Upstream aus finanziellen und technischen Gründen nur eine schmale Bandbreite bereit - ein Engpass ist also vorgezeichnet, zudem drohen höhere Kosten für die an P2P angepasste letzte Meile.

Also handelt es sich nur um einen Hype, der keine Zukunft hat? Nein, meint Forrester, und lokalisiert das Potenzial von Peer-to-Peer langfristig im Austausch von privaten Informationen. Vor allem große Dateien - beispielsweise digitale Photos - würden künftig von den Heimanwendern im Freundes- und Bekanntenkreis per P2P verteilt und nicht mehr auf die eigene Web-Seite gestellt oder per E-Mail verschickt. Dabei setzt sich die neue Architektur im Fahrwasser der Breitbandanbieter durch. Diese würden laut Forrester P2P als eine Art Mehrwertdienst für ihre Services anpreisen, da sich auch hier der Wettbewerb - Kabelmodem gegen ADSL - zunehmend verschärfen würde.

Forrester zufolge ist sogar absehbar, dass Microsoft eine Peer-to-Peer-Entwicklungsplattform in neuere Versionen seines Betriebssystems integrieren wird. Offene Schnittstellen seien in einigen Jahren darüber hinaus in der Lage, diverse Client-Applikationen zu verbinden, was zu einer Art standardisierten Zugangssoftware führt. Nicht zuletzt wird sich in Zukunft auch das Surfverhalten im privaten Bereich durch permanente Internet-Verbindungen ändern: Momentan lassen laut Forrester rund 60 Prozent der Breitbandnutzer ihren Heim-PC tagsüber laufen, so dass die Geräte jederzeit als eine Art Content-Server zur Verfügung stehen würden - eine Grundvoraussetzung für P2P. Als Ergebnis der Entwicklung werden nach Aussage der Analysten im Jahr 2005 rund ein Drittel der privaten Haushalte in den USA mit Internet-Anschluss eine wie auch immer geartete Form des P2P nutzen.

Auf diesen Zug aufgesprungen ist das Unternehmen Tadpole Technology: Die Firma hat eine Software vorgestellt, mit der sich Compaqs Pocket-PC "Ipaq" in eine mobile Peer-to-Peer-Plattform verwandeln lässt. Durch "Magi" kann der PDA mit anderen Computern kommunizieren und relevante Daten und Files automatisch austauschen. Dies geht nach Angaben von Tadpole künftig sogar so weit, dass nicht nur PCs und Server mit den mobilen Geräten vernetzt sind, sondern auch Videorekorder und Kühlschränke: Wenn die Milch ausgeht, erscheint automatisch ein Hinweis auf der virtuellen Einkaufsliste im PDA.