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Patent für GIF-Grafikformat läuft aus

10.06.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Unterstützung für Grafiken im GIF-Format (Graphic Interchange Format) kann in den USA ab Ende des Monats frei in Anwendungen integriert werden. Das Patent auf die LZW-Komprimierung, auf der das Grafikformat basiert, läuft am 20. Juni aus. In Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Italien gelten die Patente noch bis 2004. Mit dem 1977 von Lempel Ziv entwickelten und 1984 von Terry Welch verbesserten Komprimierungsalgorithmus lässt sich die Dateigröße von Grafiken erheblich senken, um eine schnelle Übertragung im Web zu ermöglichen. Die Methode funktioniert vor allem bei Strichgrafiken und Bildern, in denen Text enthalten ist. Allerdings ist das Format auf eine Palette von 256 Farben begrenzt.

Da die Nutzung der LZW-Komprimierung zunächst lizenzfrei möglich war, etablierte sich GIF neben dem von der JPEG (Joint Photographic Expert Group) entwickelten JPG-Format schnell als Standard für die Darstellung von Bildern im Web. Seit 1994 verlangt der Patentinhaber Unisys allerdings Lizenzgebühren, was vor allem Freeware-Entwickler vor Probleme stellt. Sie können sich die Zahlungen in der Regel nicht leisten.

Abhilfe sollte das quelloffene PNG-Format (Portable Network Graphics) schaffen. Wie mit GIF lassen sich mit PNG transparente Ebenen gestalten und Grafiken komprimieren. Darüber hinaus ist PNG nicht auf die Darstellung von 256 Farben begrenzt. Allerdings lassen sich damit keine bewegten Bilder darstellen. Im GIF-Format kann eine Folge von Grafiken hinterlegt werden, die sequenziell angezeigt werden. Dadurch lassen sich kleine Animationen abspielen. Um animierte Bilder zu erstellen, haben die PNG-Macher die Schwesterspezifikation "MNG" (Multiple Image Network) entwickelt.

Die erste Empfehlung für PNG sprach das Web-Konsortium W3C bereits im Oktober 1996 aus. Dennoch konnte sich das Format bislang nicht durchsetzen. Als Hauptgrund nennen Entwickler die mangelhafte Unterstützung durch Microsofts Webbrowser "Internet Explorer" (IE). So kritisierte zum Beispiel der kalifornische Web-Designer Ray Semiraglio, der IE stelle bestimmte transparente Bereiche, die sich im PNG-Format hinterlegen lassen, nicht korrekt dar.

Die freie Nutzungsmöglichkeit von GIF könnte nach Einschätzung von Experten die Weiterentwicklung von PNG überflüssig machen. Nicht zuletzt, weil auch ideologische Gesichtspunkte wegfallen. So haben vor allem Softwarepatent-Gegner und Open-Source-Aktivisten wie Don Martin, President der Silicon Valley Linux User Group und Betreiber der Website "Burn ALL GIFs", die Entwicklung von PNG vorangetrieben. Martin interessieren dabei weniger technologische Aspekte. Der springende Punkt sei, ob man es Patentinhabern gestatte, die Kommunikation zu zensieren.

Zumindest für die PNG-Version 2 liegen bereits Spezifikationen vor. Sie beinhalten die Unterstützung von Unicode, wodurch sich zum Beispiel asiatische Schriftzeichen in Grafiken einbinden lassen. Im Gespräch ist die Standardisierung durch das W3C oder durch die ISO (International Standardisation Organisation), die in der Regel Gebühren für ihre Veröffentlichungen verlangt. Laut PNG-Entwicklern sei dennoch eine ISO-Standardisierung erstrebenswert, da sie benötigt werde, wenn die Technologie in von Behörden vergebene Aufträge einbezogen werden soll. (lex)