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PalmSource greift im Handymarkt an

08.12.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die aus der Aufspaltung von Palm entstandene Handheld- und Smartphone-Softwarefirma PalmSource (für die Hardware ist palmOne zuständig) übernimmt China MobileSoft Limited (CMS), einen chinesischen Anbieter von Handysoftware, sowie dessen Tochter MobileSoft Technology. Den Kaufpreis entrichtet PalmSource in Form von rund 1,57 Millionen eigenen Aktien (derzeitiger Kurs: 14,57 Dollar). Vorbehaltlich unter anderem der Zustimmung der CMS-Aktionäre soll der Deal bis Ende Februar abgeschlossen sein.

CMS bietet ein umfangreiches Portfolio von Anwendungen für Mobiltelefone an, darunter Betriebssysteme für Smart- und Feature-Phones sowie mehr als ein Dutzend Anwendungen. Außerdem haben die Chinesen eine für mobile Endgeräte optimierte Linux-Version entwickelt. Diese will PalmSource nun mit seinem Palm OS kombinieren. "Wir glauben, dass die Kombination von PalmSource, CMS und Linux uns die technische und marktkritische Masse gibt, um selbst mit den größten proprietären Betriebssystemanbietern zu konkurrieren", erklärte PalmSource-Chef David Nagel. "Wir wollen die Benutzerfreundlichkeit und Flexibilität, für die das Palm OS bekannt ist, für alle Mobiltelefone anbieten."

PalmSource will seine bekannten Betriebssysteme Palm OS 5 ("Garnet") und 6 ("Cobalt") wie geplant weiterhin anbieten. Zusätzlich will das Unternehmen das Palm OS auch noch auf Linux aufsetzen und damit der Linux-Community "die Vorteile des Palm OS nahe bringen", namentlich die Benutzerschnittstelle, das Software-Frameworks auf Basis von Palm OS und BeOS, eine Vielzahl von Anwendungen sowie die aktive Palm-OS-Community. Matt Asay von Novell kommentiert: "Die Kombination von Palm OS und Linux lässt einen 'Embedded Desktop' in absehbarer Zeit Realität werden."

Bruce Perens, Mitgründer der Open Source Initiative, ergänzt: "Möglicherweise ist nicht jedem klar, welch großes Potenzial heute eröffnet wird. Weil Linux-Standards auf Palm-OS-Geräten erschlossen werden, lässt sich ein Großteil unserer Server- und Desktop-Software auf die mobile Plattform bringen, indem man einfach 'make' eintippt und wartet, dass die Sourcen kompiliert werden. Das bringt der Plattform eine Macht, die nur noch ein gutes User-Interface braucht - und das ist die Stärke von PalmSource -, um dem mobilen Anwender unglaubliche Möglichkeiten zu eröffnen. Auf Nischenplattformen hat die die Open-Source-Community bereits geleistet, aber die Palm-OS-Partnerschaft wird diese Power in den Massenmarkt tragen."

Mit dem Zukauf erweitert PalmSource nicht zuletzt natürlich auch sein Engagement im Boom-Markt China. Dort gibt es heute schon 320 Millionen Handy-Nutzer (mehr als Festnetzanschlüsse), jeden Monat kommen weitere 5,5 Millionen hinzu. (tc)