"Mobile first"

Otto sieht Trend zum Handel über Smartphones und Tablets

06.03.2014
Das neue Outfit mal eben auf dem Weg zur Arbeit bestellen - so sieht nach Einschätzung der Otto Group die nahe Zukunft aus. Die Hamburger setzen auf Online-Handel über mobile Endgeräte.

Der elektronische Handel verlagert sich nach Einschätzung der Otto Group in den nächsten Jahren überwiegend auf mobile Endgeräte. Otto habe daher unter dem Motto "Mobile first" seine Strategie nachgeschärft und werde bis 2016 mehr als die Hälfte des Online-Umsatzes über Smartphones und Tablets abwickeln. "Das Smartphone wird für einen Händler zum zentralen Zugang zum Kunden", sagte Rainer Hillebrand, stellvertretender Konzernchef und verantwortlich für die Online-Strategie, am Donnerstag in Hamburg. Diesen Trend wolle Otto nutzen.

Rainer Hillebrand, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Otto Group, Konzern-Vorstand Konzernstrategie, E-Commerce, Business Intelligence
Rainer Hillebrand, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Otto Group, Konzern-Vorstand Konzernstrategie, E-Commerce, Business Intelligence
Foto: Otto Group

Schon heute besitze jeder zweite Einwohner ein Smartphone und jeder fünfte ein Tablet, bei weiter steigender Verbreitung. Die meisten Nutzer seien kontinuierlich im Netz, "always on", und sie kaufen mit dem Smartphone auch ein. Damit verändere sich der Handel rasend schnell. "Wir müssen Antworten auf neue Fragen schneller finden als andere", sagte Hillebrand. Dabei helfe es der Gruppe, dass sie in mehr als 100 Online-Shops in mehr als 20 Ländern verschiedene Konzepte ausprobieren und unterschiedliche Zielgruppen ansprechen könne.

Die Otto Group setzte im abgelaufenen Geschäftsjahr (28.2.) weltweit online mehr als sechs Milliarden Euro um, das sind 400 Millionen Euro mehr als im Jahr davor. Bis 2015 sollen es acht Milliarden Euro werden. Otto ist nach Amazon der zweitgrößte Online-Händler weltweit und in Europa der größte für Mode und Lifestyle. Rund 60 Prozent der Handelsumsätze erwirtschaftet die Gruppe über den elektronischen Handel. Bei einzelnen Firmen wie der Einzelgesellschaft Otto, dem ehemaligen Otto-Versand, sind es mehr als 80 Prozent. Damit habe Otto den Wandel vom Versandhändler zum Internet-Anbieter weitgehend vollzogen.

Der Hamburger Konzern betrachtet die Digitalisierung des Handels als grundlegende Umwälzung und stellt sich nicht nur beim Verkauf seiner Waren darauf ein. Otto investiere innerhalb von drei Jahren 300 Millionen Euro in den elektronischen Handel und starte eine Vielzahl neuer Unternehmen und Projekte. "Es geht um Innovation in einer sich schnell verändernden Welt", sagte Hillebrand. "Wir haben keine Zeit."

Otto profitiere als Anbieter handelsnaher Dienstleistungen ebenso vom Trend zum Online-Handel wie als Entwickler neuer Technologien, etwa bei Bezahlsystemen. Allein 50 Experten des Konzerns beschäftigen sich mit technologischen Trends, die für den Handel an Bedeutung gewinnen könnten. Als nächstes großes Projekt für das breite Publikum werde im Mai "Collins" vorgestellt, ein Mode- und Lifestyle-Portal, das sich an junge Frauen richtet. Daran hat Otto mehr als ein Jahr gearbeitet und einen dreistelligen Millionenbetrag investiert. (dpa/tc)