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Orbitz will an die Börse

21.05.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Das US-amerikanische Online-Reisebüro Orbitz plant nach eigenen Angaben den Gang an die Nasdaq. Mit dem IPO hofft das drittgrößte Internet-Portal für Flugtickets in den USA nach Expedia und Travelocity, rund 125 Millionen Dollar zu erlösen. Anzahl und Wert der anzubietenden Aktien stehen noch nicht fest. Nicht nur aufgrund der anhaltend schwachen Börsen ist jedoch fraglich, ob das Going-public erfolgreich vonstatten geht.

Zum einen schreibt das Joint-venture, das Anfang 2000 von den führenden US-Fluggesellschaften United Airlines, Delta Air Lines, Continental Airlines, Northwest Airlines sowie American Airlines gegründet wurde, noch immer rote Zahlen: Im vergangenen Geschäftsjahr hatte Orbitz einen Nettoverlust von 103,2 Millionen Dollar ausgewiesen und nur 43,4 Millionen Dollar eingenommen. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres verbuchte das Unternehmen aus Chicago ein Minus von 8,9 Millionen Dollar, der Umsatz betrug 32,2 Millionen Dollar.

Schwierigkeiten bereiten andererseits laufende Ermittlungen durch das US-Verkehrs- und Justizministerium wegen möglicher Kartellrechtsverstöße. Die Behörden vermuten, dass Orbitz seine Beziehung zu den Muttergesellschaften nutzt, um besonders billige Tickets anbieten zu können. Die fünf Fluggesellschaften wickeln zusammen vier Fünftel aller US-Flüge ab.

Problematisch ist zudem die Zusammensetzung des Aufsichtsrats. Auch nach dem Börsengang behalten die fünf Fluggesellschaften die Kontrolle über den Aufsichtsrat und stellen sechs der neun Mitglieder. Je nach Zahl der ausgegebenen Aktien können die Gründer auch die restlichen drei Aufsichtsratposten besetzen.

Egal wie erfolgreich der Börsengang ausfallen wird, Orbitz-CEO Jeffrey Katz ist abgesichert: Neben einer dreijährigen Anstellungsgarantie (Mindestgehalt: 500 000 Dollar/Jahr) sichert ihm eine Vereinbarung 2,5 Millionen Dollar für seine Aktienoptionen, falls der Kurs bereits innerhalb eines Monats nach dem IPO unter zehn Dollar fällt. (mb)