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Oracle zieht die Microsoft-Karte im Poker um Peoplesoft-Übernahme

01.04.2004

Anlässlich einer zweitägigen Anhörung vor der Europäischen Kommission versuchten die Oracle-Verantwortlichen, die Bedenken der Behörde gegen eine Übernahme des Konkurrenten Peoplesoft zu zerstreuen. Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" warnten die Vertreter des Datenbankspezialisten die EU-Kommission vor einem möglichen Markteintritt Microsofts. Es bestehe die Gefahr, dass Microsoft sein Monopol in das Segment der Business-Applikationen ausdehne, sollte die Übernahme von Peoplesoft nicht genehmigt werden. Offenbar versucht Oracle mit dieser Taktik von der momentanen Stimmungslage in Brüssel zu profitieren. Die EU-Kommission hatte Microsoft vor rund einer Woche wegen Ausnutzung seiner Monopolstellung und Wettbewerbsverstößen mit einem

Bußgeld in Höhe von rund 497 Millionen Euro und verschiedenen Auflagen zur Öffnung seiner Softwareprodukte belegt.

Allerdings scheinen die EU-Vertreter der Argumentation Oracles nicht folgen zu wollen. Wie das Blatt unter Berufung auf Kommissionskreise berichtet, sorgten sich die Wettbewerbshüter mehr über die Folgen der von Oracle angestrebten Akquisition. So fürchtet die Behörde nachlassende Innovation und steigende Preise für die Kunden, sollte Oracle die feindliche Übernahme gelingen. Neben der SAP würde es dann nur noch einen weiteren Anbieter von konzernweiten Business-Applikationen geben. Microsoft sei nach Einschätzung der Kommission zwar daran interessiert, in dieses Segment einzusteigen. Es sei jedoch sehr schwierig, da dies nicht die Liga sei, in der die Redmonder bis jetzt spielten. Das Oracle-Management hatte bislang immer argumentiert, der Markt beschränke sich nicht auf die drei Anbieter SAP, Peoplesoft und Oracle, sondern gestalte sich wesentlich fragmentierter. Peoplesoft wehrt sich seit nunmehr zehn Monaten erfolgreich gegen die Übernahmeanstrengungen

Oracles. Eine Entscheidung der EU-Kommission in Sachen Oracle/Peoplesoft wird für den 11. Mai dieses Jahres erwartet. (ba)