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Oracle stellt Peoplesoft-Kauf in Frage

11.11.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Oracle denkt laut darüber nach, die geplante feindliche Übernahme von Peoplesoft für 7,3 Milliarden Dollar abzublasen.

Sollte Peoplesoft seinen Kunden weiterhin versprechen, ihnen im Falle einer Übernahme durch Oracle im großen Stil Lizenzgebühren zurückzuerstatten, könne Oracle gezwungen sein, seine Offerte zurückzuziehen. "Dann ist das Fusionsangebot nicht mehr länger wirtschaftlich vertretbar", hieß es in einer offiziellen Stellungnahme von Oracle.

Peoplesoft hatte kurz nach dem ersten Übernahmeangebot von Oracle im Juni 2003 diese Giftpille (Poison Pill) in Form eines "Customer Assurance Program" offeriert. Darin versprach das Unternehmen seinen Kunden die Rückzahlung ihrer Lizenzgebühren, sollten bei einer Übernahme durch Oracle nicht bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Hierzu zählte unter anderem, dass Oracle sich verpflichten müsse, die Peoplesoft-Lösungen fortzuentwickeln und zu unterstützen.

Die Rückzahlungen wären zwei- bis fünfmal so hoch, wie die ursprünglich gezahlten Lizenzgebühren und würden sich laut Kevin Parker, Peoplesofts oberstem Finanzverantwortlichen, auf 800 Millionen Dollar belaufen.

Peoplesoft hatte die Bedingungen dieses Bonusprogramms noch einmal überarbeitet und die Laufzeiten für die Ansprüche verdoppelt. Den Kunden wurde garantiert, dass die Rückzahlungsverpflichtungen bereits dann in Kraft treten, wenn es einen Wechsel in den Mehrheitsverhältnissen des Peoplesoft-Boards gibt. Dabei sei es egal, ob diese Veränderung durch eine Akquisition des Unternehmens oder durch eine Abstimmung der Aktionäre zustande käme.

Verschiedene Peoplesoft-Aktionäre, die der Fusion positiv gegenüberstehen, hatten am vergangenen Donnerstag beim Kanzleigericht des US-Bundesstaats Delaware einen Antrag auf einstweilige Verfügung eingereicht. Damit soll Peoplesoft gezwungen werden, seine Rückzahlungsgarantie aufzugeben. (jm)