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Oracle: Peoplesoft hat Zahlen "hingedreht"

03.07.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Trotz der Ankündigung unerwartet guter Zahlen für das zweite Quartal (Computerwoche online berichtete) stieg der Aktienkurs von Peoplesoft gestern nur um 19 Cent oder ein Prozent auf 17,98 Dollar. Schlechtere Zahlen hätten sicher einen Kurseinbruch zur Folge gehabt, was wiederum das feindliche Übernahmeangebot von Oracle attraktiver gemacht hätte - insofern ist Peoplesoft mit seinem vorläufigen Ergebnis ein wichtiger Schlag gegen die Ellison-Company gelungen.

Für die eindrucksvollen Zahlen ist offenbar nicht zuletzt Peoplesofts "Poison-Pill"-Programm verantwortlich. Finanzchef Kevin Parker erklärte, über die Hälfte der im Laufe des Quartals verkauften Softwarelizenzen hätten das "Customer Insurance Program" enthalten. Im Rahmen dieses Programms sollen Käufer von Peoplesoft-Anwendungen das Zwei- bis Fünffache des Kaufpreises erhalten, sollte das Unternehmen innerhalb eines bestimmten Zeitraums aufgekauft werden. Peoplesoft hatte diese Giftpille installiert, um Bedenken von Kunden auszuräumen, Oracle werde Peoplesofts Produkte im Falle einer Übernahme einstellen. Das Angebot lief bis Ende des Quartals.

Zum Stand seiner Vertriebs-Pipeline äußerte sich Peoplesoft nicht konkret. Das Unternehmen räumte aber ein, dass wohl viele Kunden den vorsichtigen Ratschlägen von Analysten wie Gartner gefolgt seien und ihre Software anderswo gekauft hätten. "Das war nicht ganz ein märchenhafter [O-Ton "Cinderella"] Quartalsabschluss", sagte President und CEO (Chief Executive Officer) Craig Conway im Rahmen einer Telefonkonferenz. "Leider wurde unser Geschäft in Mitleidenschaft gezogen. Viele Kunden haben ihre Käufe verschoben."

Noch schlimmer, so Conway weiter, sei die Tatsache, dass einige Kunden, die sich eigentlich schon für Peoplesoft entschieden hatten, nun aufgrund der unsicheren Lage bei Wettbewerbern kauften. "Wir werden Oracle für all diese Verluste regresspflichtig machen", drohte der Peoplesoft-Chef. Oracle-Sprecher Jim Finn erklärte, Peoplesofts Zahlen seien angesichts von "One-Time-Gimmicks" wie des Insurance Program nicht überraschend. Peoplesoft habe "verweifelt versucht, für ein Quartal gute Zahlen hinzudrehen".

"Wir denken, das fünf Quartal in Folge mit rückläufigen Ergebnissen ein besserer Indikator für die Basis von Peoplesofts Geschäft sind", sagte Finn. [Dann fragt sich allerdings, warum Oracle Peoplesoft überhaupt kaufen will, Anm. d. Red.] Conway prophezeite, Oracles Image werde unter den feindlichen Übernahmetaktiken leiden. Viele Kunden hätten im abgeschlossenen Quartal extra bei Peoplesoft gekauft, um ihre "Verärgerung" gegenüber Oracle zu demonstrieren. (tc)