Unterstützung auch auf Konkurrenzsystemen

Oracle lenkt bei Support für virtuelle Umgebungen ein

Wolfgang Sommergut ist Betreiber der Online-Publikation WindowsPro.
Oracle verweigerte bis vor kurzem offiziell den Support für seine Produkte, wenn sie auf virtuellen Systemen installiert wurden. Davon ausgenommen war nur "Oracle VM". Nach zunehmender Kritik rückt der Hersteller von dieser Position ab.

Chris Wolf, Analyst bei der Burton Group, beobachtete im Lauf der letzten Wochen mehrere Änderungen an einem Dokument, in dem Oracle den Support für seine Anwendungen beschreibt, wenn diese auf virtuellen Systemen laufen. Ursprünglich verpflichtete der Softwarehersteller Anwender, die etwa eine Datenbank auf VMware VI ausführten, auftretende Probleme auf physischer Hardware zu reproduzieren, bevor sie Support erhielten. Ausgenommen davon war von Anfang an nur Oracle VM, auf dem der Hersteller Support für alle Anwendungen aus dem eigenen Haus bietet.

In der aktuellsten Fassung besagt die Support-Regelung, dass etwa im Fall der "Business Applications" eine Zertifizierung von Virtualisierungslösungen anderer Anbieter nicht erfolge, aber dort trotzdem Unterstützung gewährt würde.

Oracles Haltung galt im Vergleich zu anderen großen IT-Anbietern als besonders restriktiv und geriet immer öfter in die Kritik, zuletzt etwa von VMware-Eigentümer EMC. Vice-President Chuck Hollis sieht darin weniger einen Versuch, Oracle VM zu bevorzugen und der Virtualisierungssoftware einen größeren Marktanteil zu erschließen. Vielmehr könnten Anwender eine virtuelle Infrastruktur als Alternative zu Oracles "Real Application Cluster" (RAC) nutzen, um Hochverfügbarkeit und Lastenverteilung zu erreichen. Dafür würde ihnen die preiswertere "Standard Edition" der Datenbank genügen.

Sun-Übernahme verändert den Markt

Nach der Übernahme von Sun und Virtual Iron möchte Oracle zum Anbieter einer vollständigen Virtualisierungsinfrastruktur werden. Einschränkungen beim Support der eigenen Software auf virtuellen Systemen anderer Anbieter ließen sich dann als Versuch auslegen, die Virtualisierungssoftware aus dem eigenen Haus zu bevorzugen.

Nachdem Oracle nun mit Oracle VM, Sun xVM, Virtual Iron und Virtual Box über vier Hypervisor verfügt (von denen indes die ersten drei auf Xen basieren), fiele es schwer, technisch zu begründen, warum Oracle-Software dort überall unterstützt wird, aber auf den Systemen von VMware, Microsoft oder Citrix nicht.

Mit den geänderten Support-Bedingungen räumt Oracle zwar ein wesentliches Hindernis für die Server-Virtualisierung aus dem Weg, behält aber im Vergleich zu den wichtigsten Wettbewerbern bei Datenbanken seine als unfair erachteten Lizenzbedingungen bei. Sie zwingen Anwender, Lizenzen abhängig von der Zahl physikalischer Prozessoren zu erwerben, auch wenn innerhalb von virtuellen Maschinen nicht alle genutzt werden.