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Oracle erhöht Angebot für Peoplesoft um ein Drittel

04.02.2004
Statt bisher 19,50 Dollar bietet Oracle nur 26 Dollar pro Peoplesoft-Aktie - mithin wieder ein Premium auf dessen Kurs. Die Silicon-Valley-Seifenoper geht damit in die nächste Runde.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Datenbankriese Oracle hat sein Angebot für eine feindliche Übernahme von Peoplesoft um ein Drittel aufgestockt. Bis dato bot die Firma von CEO Lawrence "Larry" Ellison 19,50 Dollar pro Aktie, nun steht das Angebot bei 26 Dollar je Anteilschein, was auf einen Gesamtkaufpreis von 9,4 Milliarden Dollar hinauslaufen würde.

Das neue Gebot entspricht einem Premium von 19 Prozent auf den gestrigen Nasdaq-Schlusskurs der Peoplesoft-Aktie von 21,89 Dollar. Oracle hofft, damit nun große Peoplesoft-Aktionäre zu überzeugen, sodass auch dessen Verwaltungsrat genötigt wäre, seinen Widerstand aufzugeben und in konstruktive Verhandlungen einzutreten.

+++ Update 18:30 Uhr +++

Peoplesoft hat inzwischen eine Stellungnahme zu Oracles höherer Offerte veröffentlicht. Aktionäre sollten vorerst nichts unternehmen, heißt es darin. Der Peoplesoft-Verwaltungsrat werde pflichtgemäß zusammentreten, um das Angebot zu analysieren, und anschließend seine Empfehlung dazu abgeben.

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Was noch lange nicht hieße, dass der Deal tatsächlich zustande käme, denn die Kartellbehörden sowohl in den USA als auch in Europa könnten ihn blockieren. In den Vereinigten Staaten wird ein diesbezüglicher Entscheid für Anfang März erwartet. Durch eine Kombination aus Oracle und Peoplesoft, das im vergangenen Jahr J.D. Edwards geschluckt hatte, entstünde der zweitgrößte Anbieter betriebswirtschaftlicher Standardsoftware für Unternehmen nach SAP.

Oracles zweite Angebotserhöhung hatten Experten seit langem erwartet, der Zeitpunkt kommt deswegen ein wenig überraschend. Die Aktie von Peoplesoft wird schon seit Oktober über den 19,50 Dollar gehandelt, auf die Oracle seine Offerte von ursprünglich nur 16 Dollar vor acht Monaten angehoben hatte.

Peoplesofts Board hatte Oracles Übernahmeansinnen bereits zwei Mal abgewiesen. Die Datenbankfirma hat inzwischen fünf alternative Kandidaten für den Peoplesoft-Verwaltungsrat nominiert, die das Gremium auf der nächsten Hauptversammlung kapern und mehrheitlich kontrollieren sollen. Peoplesoft hat seine Aktionäre aufgefordert, vier amtierende Directors wiederzuwählen, die sich bereits gegen Oracles Offerte ausgesprochen haben. (tc)