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Oracle bläst zum letzten Sturm auf die Festung Peoplesoft

09.11.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Oracles von 21 auf 24 Dollar je Peoplesoft-Aktie aufgebessertes Angebot läuft am 19. November aus. Sollten dem Datenbankspezialisten bis dahin weniger als 50 Prozent der Peoplesoft-Anteile zugesagt werden, wolle man das Angebot nicht weiter verlängern, heißt es nach US-amerikanischen Medienberichten in einer offiziellen Stellungnahme des Softwareanbieters an Richter Leo Strine. Der Richter leitet derzeit in Delaware ein Verfahren, mit dem Oracle die Peoplesoft-Verantwortlichen zwingen will, ihre Abwehrmaßnahmen aufzugeben. Zurzeit ist der Prozess auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Werde das "beste und letzte" Angebot nicht akzeptiert, werde Oracle außerdem seine Bemühungen vor Gericht beenden, heißt in dem von Oracle-Anwalt Michael Carroll unterzeichneten Brief.

Damit erhöhen die Oracle-Verantwortlichen den Druck auf Peoplesoft sowie auf deren Aktionäre. Bislang hat die Führung des im US-amerikanischen Pleasanton beheimateten Softwareanbieters jedes Oracle-Angebot während des mittlerweile über 17 Monate andauernden Übernahmenkampfes als unzureichend zurückgewiesen. Der gebotene Preis entspreche nicht dem wahren Wert des Unternehmens, so die Begründung. Mit dem jüngsten Angebot hätte der Deal ein Gesamtvolumen von rund 9,2 Milliarden Dollar. Das Peoplesoft-Management unter der Führung des Firmengründers David Duffield hat die Aktionäre kurz nach Bekanntgabe des erhöhten Oracle-Angebots aufgefordert, vorerst nicht darauf zu reagieren. Auf den jüngsten Vorstoß des Wettbewerbers in Sachen letztes Angebot liegen noch keine Reaktionen vor.

Ob Oracle wirklich ernst macht und sein Angebot nicht weiter verlängert, bleibt abzuwarten. In den zurückliegenden Monaten hatte Oracle-Chef Lawrence Ellison die Fristen regelmäßig verlängert und keine Konsequenzen mit der Terminierung verknüpft. Diesmal könnte es jedoch auf einen Showdown hinauslaufen, meinen Insider. Das erhöhte Angebot, das Oracle eindringlich als das beste und letzte bezeichnet, könnten darauf hindeuten, dass es Ellison diesmal ernst meint. Außerdem hatte er in der Vergangenheit des öfteren durchblicken lassen, dass es neben Peoplesoft auch andere Übernahmekandidaten gebe. (ba)