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Online-Poker als Nebenjob: Spielsuchtgefahr für Teenager

14.09.2007
Von pte pte
Online-Poker ersetzt inzwischen für viele amerikanische Jugendliche die Einnahmen aus Sommer- oder Nebenjobs. Eine US-Studie zeigt, dass 8,9 Prozent aller Männer zwischen 18 und 22 mindestens einmal pro Monat an Online-Glücksspielen teilnehmen. Insgesamt spielen etwa eine Million Jugendliche, so Forscher des Annenberg Public Policy Center der Universität von Pennsylvania. Viele sehen Online-Poker als fixe Einnahmequelle an. "Ich bin schon vielen Menschen begegnet, die angeben Glücksspiel professionell zu betreiben - trotzdem waren große Schuldenberge und keinerlei Einnahmen vorhanden", erklärt Izabela Horodecki von der Beratungs- und Therapiestelle AS im Gespräch mit pressetext.

Poker sei im Vergleich zu anderen Spielen zwar ein Sonderfall, so Horodecki. "Es gibt eine Diskussion darüber, ob es sich um ein Geschicklichkeitsspiel oder um ein Glücksspiel handelt." Wie bei anderen Glücksspielen könnten Spieler jedoch auch dabei in eine Abwärtsspirale geraten. "75 Prozent der Spielsüchtigen haben in der Vergangenheit einen größeren Gewinn gemacht und danach versucht den Erfolg zu wiederholen. Sie verlieren jedoch, laufen den Verlusten nach und der Teufelskreis schließt sich", so die Spielsucht-Expertin. Ein Anstieg der Online-Spielsüchtigen sei in den vergangenen Jahren deutlich erkennbar gewesen.

"Es ist viel komfortabler als in einem Restaurant zu arbeiten", erklärt hingegen der 19-jährige Chris Benton, der nach eigenen Angaben 40 bis 50 Euro pro Stunde beim Online-Poker gewinnt, gegenüber der San Jose Mercury News. Er sieht sich selbst nicht als Glücksspieler, der sich lediglich auf Zufälle verlässt, denn er beschäftige sich professionell mit dem Spiel. Der größte Teil der Spieler gewinnt jedoch nicht. Eine Studie an der Universität von Missouri kam zu dem Ergebnis, dass der durchschnittliche Student pro Online-Spieleinheit 35 Dollar verliert. Experten zeigen sich über den Anstieg von Online-Glücksspielen bei jungen Leuten besorgt. "Studenten sind die größte Risikogruppe, denn sie haben Zugang zu Geld und Kreditkarten", so Kristy Wanner von der Universität von Missouri-Columbia.

In den USA ist Online-Glücksspiel verboten - die meisten Anbieter stammen aus dem Ausland. "In Deutschland obliegt die gesetzliche Regelung ab 2008 den Ländern. Diese haben sich auf ein staatliches Monopol für diesen Bereich geeinigt", erklärt Dietmar Barth von der Forschungsstelle Glücksspiel von der Universität Hohenheim http://www.uni-hohenheim.de gegenüber pressetext. "Es bleibt abzuwarten, wie die privaten Anbieter auf die Entwicklung reagieren." (pte)