"The Intercept"

NSA spähte Mobilfunk-Anbieter aus

04.12.2014
Die Flut der Snowden-Enthüllungen hatte zuletzt nachgelassen. Jetzt kommt das nächste Detail. Wie es scheint, wollte die NSA sich bei jedem Mobilfunk-Betreiber in der Welt einklinken können. Dabei jubelt sie ihnen wohl auch zusätzliche Schwachstellen unter.

Die NSA hat laut Informationen aus Snowden-Papieren hunderte Mobilfunk-Anbieter ausgespäht, um früh auf Schwachstellen in den Netzen zu stoßen. Unter anderem habe der US-Geheimdienst dafür Arbeitsgruppen der Branchenvereinigung GSMA ausgeforscht, berichtete die Website "The Intercept" am Donnerstag. Bei der Operation mit dem Namen "Auroragold" seien mehr als 1200 E-Mail-Konten in der Branche überwacht worden.

NSA-Zentrale in Fort Meade
NSA-Zentrale in Fort Meade
Foto: Wikipedia

Die abgeschöpften Informationen über Sicherheitslücken würden an die Teams weitergegeben, die Software zum Eindringen in die Netze entwickeln, schrieb "The Intercept". Zum Jahr 2012 habe die NSA technische Informationen über 70 Prozent der Mobilfunk-Betreiber weltweit gesammelt.

Unter anderem habe der Abhördienst die Dokumente ausgewertet, in denen die Anbieter Informationen über das Funktionieren ihrer Netze austauschen. Das ist eine Standard-Prozedur, damit das Roaming bei Reisen in andere Länder funktioniert. Mit diesen Daten könne die NSA besser nach Sicherheitslücken suchen - und auch erfolgreicher daran arbeiten, eigene Schwachstellen einzuführen, heißt es in den Unterlagen.

Dass die NSA den Mobilfunk im Visier hat, war bereits bekannt. Sie soll die gängige Verschlüsselung des betagten GSM-Funkstandards geknackt und vor Jahren auch ein ungesichertes Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel abgehört haben. Das Ausmaß der Ausforschung von Mobilfunk-Anbietern ist aber neu. Laut den Dokumenten arbeitet die NSA auch daran, neuere Verschlüsselungs-Techniken auszuhebeln.

IT-Sicherheitsexperte Karsten Nohl sagte "The Intercept", das Ziel der NSA dürfte den Dokumenten zufolge gewesen sein, auf alle Mobilfunk-Netze in der Welt zugreifen zu können. Mikko Hypponen von der Antivirenfirma F-Secure wies darauf hin, dass eventuelle Schwachstellen genauso auch von Kriminellen ausgenutzt werden könnten.

Bei "The Intercept" werten Journalisten um den Enthüllungsreporter Glenn Greenwald die vom Informanten Edward Snowden beschafften NSA-Unterlagen aus. Snowden, der aktuell in Asyl in Russland lebt, hatte im vergangenen Jahr eine weitreichende Überwachung jeglicher Kommunikation durch den Geheimdienst aufgedeckt. (dpa/tc)