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Novell beugt sich dem Druck der Investoren

26.09.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Mit der Ankündigung, eigene Aktien zurückzukaufen, hat Novell den Forderungen einiger Investoren zumindest teilweise nachgegeben. Speziell die Investmentgesellschaft Blum Capital Partners, die fünf Prozent der Novell-Aktien kontrolliert, sowie die Investmentbank Credit Suisse First Boston (CSFB) hatten in den vergangenen Wochen öffentlich gefordert, den Wert des Softwareunternehmens zu steigern (siehe "Erneute Forderung nach Strategiewechsel bei Novell"). Nun kündigte Novell-Chef Jack Messman an, innerhalb der kommenden zwölf Monate für rund 200 Millionen Dollar eigene Aktien zu kaufen und dadurch den Kurs zu stärken. An der Börse wurde die Nachricht jedoch nur am Rande zur Kenntnis genommen, ein kleiner Kursgewinn schmolz rasch dahin.

Messman zufolge ist der Aktienrückkauf ein Baustein innerhalb des Vorhabens, den Shareholder Value zu steigern. Zudem demonstriere der Schritt das Vertrauen des Managements in die finanzielle Stabilität und die strategische Ausrichtung von Novell, hieß es in einer offiziellen Stellungnahme. Messman hatte die ursprüngliche Forderung von Blum Capital, für 500 Millionen Dollar Aktien zurückzukaufen, abgelehnt. Am 16. Juni schrieb der Novell-CEO an Blum Capital, dass der Zeitpunkt nicht für einen Aktienrückkauf geeignet sei. Seitdem ist der Aktienkurs jedoch von rund 6,30 auf knapp sieben Dollar gestiegen, was die Argumentation des Firmenchefs in einem fragwürdigen Licht erscheinen lässt.

Statt eines Rückkaufs wollte Messman die Barreserven des Unternehmens lieber dafür verwenden, die Anwender von der finanziellen Stabilität Novells zu überzeugen. Ende Juli, als das dritte Fiskalquartal abgeschlossen wurde, besaß das Unternehmen knapp eine Milliarde Dollar an kurzfristig verfügbaren Mitteln. Laut Blum Capital sollte das Geld auch dazu genutzt werden, um Firmen im Linux-Umfeld zu übernehmen und so das Open-Source-Portfolio zu stärken. Dagegen müsse sich Novell von den beiden Firmenjets trennen, die Forschungs- und Entwicklungsabteilung personell entschlacken sowie Legacy-Produkte abspalten. Die Investmentbank CSFB wollte zudem, dass das Unternehmen sein Consulting-Geschäft abspaltet und das Management austauscht (siehe "US-Bank Credit Suisse kritisiert Novells Management"). (ajf)