Aktie bricht ein

Nokia nimmt für Umsatzplus schwache Marge in Kauf

30.04.2015
Der finnische Netzausrüster Nokia lässt sich das Wachstum vor dem geplanten milliardenschweren Kauf von Alcatel-Lucent einiges kosten.

Zwar fuhr der einstige Handy-Marktführer im Gegensatz zum Vorjahr in den ersten drei Monaten einen Gewinn ein, wie die Finnen am Donnerstag mitteilten. Zugleich sprach der Konzern aber von einer "schwachen" Gewinnmarge. Die stand wegen Investitionen stark unter Druck, am Markt rutschten Nokia-Papiere am Vormittag um fast zehn Prozent ab.

Nokia-Campus in Espoo
Nokia-Campus in Espoo
Foto: Nokia

Der Umsatz kletterte von Januar bis Ende März im Jahresvergleich auch dank günstigerer Wechselkurse um 20 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Das war ein deutlicherer Anstieg als von Analysten erwartet. Alle Sparten wuchsen, auch der wichtigste Geschäftsteil mit Ausrüstung vor allem für Mobilfunknetze legte bei den Erlösen um 15 Prozent zu. Hier macht Nokia fast 85 Prozent seines Geschäfts und will durch die 15,6 Milliarden Euro teure Übernahme von Alcatel-Lucent auch den schwedischen Rivalen Ericsson an der Weltspitze übertrumpfen.

Allerdings ließ sich Nokia den Wachstumsdrang einiges kosten. Die operative Gewinnmarge geriet deutlich unter Druck, weil Nokia weniger von der gewinnträchtigen Software verkaufte und für Großaufträge Preisnachlässe in Kauf nahm. Wechselkurseffekte hätten zudem die Kosten erhöht und der Konzern habe mehr in schnelle Netzwerktechnik wie LTE investiert. Das gute Wachstum der Netzwerksparte sei durch eine "unbefriedigende Profitabilität" überschattet worden, gab Nokia-Chef Rajeev Suri zu.

Nokia-Chef Rajeev Suri beim Capital Markets Day 2014
Nokia-Chef Rajeev Suri beim Capital Markets Day 2014
Foto: Nokia

Der bereinigte Gewinn in der Netzwerksparte schmolz um 61 Prozent, von 100 Euro Umsatz blieben nur noch rund 3,20 Euro Gewinn übrig. Vor einem Jahr waren es noch rund 9,30 Euro gewesen. Auf das Jahr gesehen kalkuliert Nokia aber weiter mit einer Marge zwischen 8 und 11 Prozent. Sie soll ungefähr die Mitte der Spanne erreichen.

Die Netzwerksparte schnitt damit im Tagesgeschäft deutlich schlechter ab als von Finanzexperten erwartet. Da half es auch nicht, dass der Konzern unter dem Strich 177 Millionen Euro Gewinn vorweisen konnte. Vor einem Jahr waren noch 239 Millionen Verlust angefallen.

Nokia Here Kamerafahrzeug
Nokia Here Kamerafahrzeug
Foto: Nokia

Der Kartendienst Here, der mit entsprechenden Angeboten von Google, Microsoft und Apple konkurriert und zum Verkauf steht, erlöste 25 Prozent mehr. Der operative Gewinn in der Sparte verdoppelte sich fast.

Die einstige Handysparte hatte der Konzern im vergangenen Jahr an den US-Softwareriesen Microsoft verkauft, nachdem Nokia den Smartphone-Boom kolossal verschlafen hatte. Jetzt wollen sich die Finnen ganz auf die Netzwerkausrüstung konzentrieren - eine Wette, die nicht ohne Risiken ist. Seit Jahren herrscht auf dem Markt ein harter Konkurrenzkampf, die Preise stehen immer wieder unter Druck. Dafür sorgen auch chinesische Hersteller wie Huawei, denen oft Dumping vorgeworfen wird.

Die Branche blickt jedoch schon hoffnungsfroh in die Zukunft: Der kommende Mobilfunkstandard der nächsten Generation - 5G genannt - soll das Rückgrat der künftig immer weiter vernetzten Wirtschaft werden. (dpa/(tc)