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"New York Times" erwägt Online-Abonnement

10.01.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Einem Bericht in der kommenden Ausgabe der "Business Week" zufolge denken die Herausgeber der "New York Times" darüber nach, die Online-Ausgabe des Blattes über ein Abonnement kostenpflichtig zu machen. Bislang gelang dies in den USA (und unseres Wissens nach sogar weltweit) bislang erfolgreich nur einem einzigen Print-Titel, nämlich dem "Wall Street Journal" von Dow Jones.

Verleger Arthur Sulzberger wird mit der Aussage zitiert: "Es geht um das Problem, wie wir uns dabei fühlen, eine Generation von Lesern heranzuziehen, die wertige Informationen kostenlos erhält. Das ist besorgniserregend." Gegenwärtig ist die Online-Ausgabe der "New York Times" für registrierte Nutzer kostenlos, lediglich ausgewählte Beiträge muss man bereits heute bezahlen.

Eine Sprecherin des Verlags wiegelte Ende vergangener Woche allerdings bereits wieder ab und erklärte, unmittelbare Änderungen seien nicht geplant. "Wir prüfen die Site um herauszufinden, ob es möglicherweise Bereiche gibt, wo wir das Geschäftsmodell ändern sollten", erklärte Catherine Mathis. "Das ist aber nichts Neues. Wir diskutieren das schon länger."

Kostenpflichtige Sites bringen Verlagen unter Umständen neue Vertriebserlöse. Andererseits sind kostenlose Sites wegen ihrer zahlenmäßig erheblich höheren Besucherzahl interessanter für die werbetreibende Industrie. Der Branchenberater John Morton, Chef von Morton Research, erwartet dennoch einen Trend in Richtung bezahlter Inhalte. Kostenlose Online-Ausgaben von Zeitungen kommen seiner Meinung nach "rasch aus der Mode".

"Ich denke, die meisten Zeitungen werden Online-Abos oder Print-Abos oder eine Kombination aus beidem verkaufen - so macht es das 'Wall Street Journal' mit großem Erfolg". Das Börsenblatt hatte im dritten Quartal rund 701.000 Abonnenten für seine Web-Ausgabe. Reine Online-Abonnenten zahlen dafür 79 Dollar pro Jahr, wer bereits das gedruckte "Journal" liest, ist mit 39 Dollar dabei. (tc)